Gemeinwohlkökonomie Teil 8 – MitarbeiterInnen und UnternehmerInnen – Gelebte Beispiele

© 3D-Rendering: www.corporate-interaction.com

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Im letzten Artikel haben wir uns die Hintergründe zu den Indikatoren der Berührungsgruppe „MitarbeiterInnen + Eigentümer“ (= C1 – C5) angesehen. Hier zeigen wir auf, wie das in der Praxis aussehen kann.
Ausgangssituationen für Veränderungen im Umgang mit MitarbeiterInnen
Für viele UnternehmerInnen erscheint es völlig undenkbar, die MitarbeiterInnen in wesentliche Entscheidungen einzubeziehen oder sie diesen sogar völlig zu übertragen. Und, vorweg genommen: Nicht alle MitarbeiterInnen wollen und können sich in jede Entscheidungsfindung einbringen. Es soll und darf auch kein Zwang ausgeübt werden, aber die Möglichkeit muss für jeden gegeben sein.

Risikoabsicherung – weniger Projektausfälle

Der Geschäftsführer eines IT-Service-Unternehmens in Salzburg hat erfahren, dass sich die Ausweitung der Entscheidungsfindung zu neuen Projekten – sei es neue Produkte, die entwickelt oder neue KundInnen, die gewonnen werden sollten – positiv auf die Erfolgsquote ausgewirkt hat.
„Ich habe selber oft viel riskantere Projekte ‚an Land gezogen’“, so der Unternehmer, „meine MitarbeiterInnen sind da wesentlich vorsichtiger und haben dann auch den Ansporn, die von Ihnen durchgesetzten Projekte auch zum Erfolg zu bringen!“.

Transparenz zu Arbeitszeit und Gehältern

Dieser Schritt ist für viele zu Beginn auch ein schwieriger. Das erstaunliche dabei ist, dass die MitarbeiterInnen in der Regel ein sehr gutes Verständnis haben, was Verteilungsgerechtigkeit angeht. Der große Vorteil – und damit auch eine enorme Entlastung für den Unternehmer/die Unternehmerin: die MitarbeiterInnen verhandeln sich die Aufteilung des „Kuchens“ selber aus, übernehmen also so selber die Verantwortung dafür. Darüber hinaus entfällt das sonst übliche Grübeln darüber, was wohl der Kollege/die Kollegin verdient, immer mit dem Gefühl, selber „übervorteilt“ zu sein.

Demokratische Mitbestimmung

Das Abstimmungsverhalten in Gemeinwohlbetrieben ändert sich massiv. Auch für MitarbeiterInnen ist es im ersten Schritt ungewohnt, eingeladen zu sein, über alles und jedes mitabzustimmen. Der Prozess der Beteiligung ist ein sich entwickelnder.
Allerdings wird für MitarbeiterInnen bald deutlich: Wenn ich mitgestalten möchte, muss ich mitbestimmen. Wenn ich mitbe- bzw. abstimmen möchte, muss ich mir klar darüber werden, was meine Position ist und was ich möchte. Dh, es intensiviert sich die Auseinandersetzung zur Gestaltung des eigenen Arbeitsplatzes – inhaltlich und räumlich. Eine Aktivierung, die Führungskräfte oft verzweifelt mit Motivationsseminaren versuchen herzustellen. Der Prozess der Gemeinwohlbilanzierung leistet das, ohne zusätzlichen Kostenaufwand, aus Eigenantrieb der MitarbeiterInnen selbst.

Zu allen Indikatoren gibt es im Handbuch der GWÖ Links zu „Best Practices“ und Gemeinwohlbilanzen von Unternehmen – nach Branchen strukturiert:
https://www.ecogood.org/gemeinwohl-bilanz/was-ist-die-gw-bilanz/beispiel-bilanzen

… im nächsten Artikeln beschreiben wir alle Indikatoren, die mit der Berührungsgruppe Kunden, Produkte & Dienstleistungen sowie den Mitunternehmen zusammenhängen.

 

Weitere Artikel zum Thema:

Gemeinwohlökonomie Teil 7 – MitarbeiterInnen und UnternehmerInnen – Hintergründe, Ziele

Gemeinwohlökonomie Teil 6 – ethisches Finanzmanagement – Hintergründe, Ziele

Gemeinwohlökonomie Teil 5 – ethisches Finanzmanagement – Hintergründe, Ziele

Gemeinwohlökonomie Teil 4: ethisches Beschaffungsmanagement – Gelebte Beispiele

Gemeinwohlökonomie Teil 3: ethisches Beschaffungsmanagement – Hintergründe und Ziele

Gemeinwohlökonomie Teil 2: Mit der Gemeinwohlmatrix zur Gemeinwohlbilanz

Gemeinwohlökonomie Teil 1: Ein nachhaltiges Wirtschaftsmodell der Zukunft“

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Author: Sabine Lehner

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