Demografie – Teil 5: Wien ist völlig anders – das einzige dynamische Bundesland
Österreich altert rapide mit einer Ausnahme
Wien wächst gegen den Trend – was die Erwerbspersonenprognose wirklich zeigt Die neue Erwerbspersonenprognose der Statistik Austria bestätigt eine Entwicklung, die Unternehmerinnen und Unternehmer schon heute am Arbeitsmarkt spüren: Österreich altert rapide – und vielen Regionen gehen die Erwerbspersonen aus. Wien hingegen entwickelt sich deutlich anders als der Rest des Landes.Wien bleibt als einziges Bundesland dynamisch
Während zahlreiche Bundesländer mittelfristig mit stagnierenden oder sinkenden Erwerbspersonenzahlen rechnen müssen, bleibt Wien vergleichsweise dynamisch. Die Hauptstadt gewinnt weiterhin Menschen im erwerbsfähigen Alter hinzu. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis mehrerer struktureller Faktoren. Bereits in unseren bisherigen Beiträgen zum Thema Demografie haben wir auf die langfristigen Verschiebungen hingewiesen: Einerseits auf das historische Geburtendefizit in Österreich, andererseits auf die wachsende Bedeutung von Migration für Bevölkerung und Arbeitsmarkt. Die Zahlen der Statistik Austria liefern nun die arbeitsmarktpolitische Konsequenz dieser Entwicklung.Österreich schrumpft – zumindest im Arbeitsmarkt
Die zentrale Aussage der Prognose ist klar: Die österreichische Bevölkerung altert schneller als neue Erwerbspersonen nachkommen. Ohne Zuwanderung würde die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter massiv sinken. Studien des WIIW – Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche gehen davon aus, dass die Gruppe der 15- bis 64-Jährigen ohne Migration bis 2032 um mehrere hunderttausend Personen zurückgehen würde. Die Ursache dafür wurde bereits im Unternehmerweb-Artikel zum Geburtendefizit beschrieben: Österreich verzeichnet seit Jahren zu wenige Geburten, um die Bevölkerung ohne Zuwanderung stabil zu halten. Das aktuelle Geburtendefizit ist sogar das höchste seit Ende des Zweiten Weltkriegs.
Das Problem betrifft insbesondere ländliche Regionen. Dort kommen mehrere Faktoren gleichzeitig zusammen:
- niedrige Geburtenraten
- Abwanderung junger Menschen
- steigender Anteil älterer Bevölkerung
- geringere internationale Zuwanderung
Warum Wien anders ist
Wien unterscheidet sich demografisch mittlerweile fundamental vom restlichen Österreich. Dafür gibt es vier zentrale Gründe.
1. Wien zieht junge Menschen an
Internationale Migration konzentriert sich stark auf urbane Zentren. Junge Menschen kommen wegen Ausbildung, Studium, Arbeitsmarkt und internationaler Netzwerke nach Wien. Forschungen zu österreichischen Wanderungsbewegungen zeigen, dass urbane Regionen eine enorme Anziehungskraft auf junge und höher qualifizierte Bevölkerungsgruppen ausüben. Das stabilisiert die Zahl der Erwerbspersonen in Wien deutlich stärker als in anderen Bundesländern.2. Migration ist in Wien längst ein zentraler Wirtschaftsfaktor
Der dritte Teil unserer Demografie-Serie zeigte bereits: Mehr als ein Viertel der österreichischen Bevölkerung hat Migrationshintergrund. In Wien liegt dieser Anteil inzwischen bei rund 50 %. Noch wichtiger ist jedoch die wirtschaftliche Dimension: Laut einer aktuellen Studie des WIFO hatten bereits 2021 rund 43 % der unselbständig Beschäftigten in Wien einen Migrationshintergrund. Diese Gruppe erbrachte mehr als 42 % aller Arbeitsstunden in der Stadt. In manchen Branchen wäre das Wiener Wirtschaftsmodell ohne Migration praktisch nicht mehr funktionsfähig:- Bauwirtschaft
- Tourismus
- Pflege
- Gastronomie
- Transport und Logistik
- persönliche Dienstleistungen
3. Wien hat eine andere Wirtschaftsstruktur
Während viele Regionen stark industriell oder kleingewerblich geprägt sind, dominiert in Wien der Dienstleistungssektor. Gerade wissensintensive Dienstleistungen, IT, Bildung, Forschung, Gesundheit und internationale Unternehmensdienstleistungen ziehen überdurchschnittlich viele junge Erwerbstätige an. Zudem ist Wien Universitätsstadt und Verwaltungszentrum zugleich. Dadurch bleibt die Stadt für inländische und internationale Arbeitskräfte attraktiv.4. Wien profitiert vom Bildungseffekt
Hochschulen und Ausbildungsinstitutionen wirken wie demografische Magneten. Junge Menschen ziehen für Ausbildung und Studium in die Stadt – und viele bleiben dauerhaft dort. Dieser Effekt verstärkt sich seit Jahren und führt zu einer kontinuierlichen Verjüngung der Erwerbsbevölkerung im Vergleich zu vielen ländlichen Regionen.Die Kehrseite der Wiener Sonderentwicklung
Die Wiener Entwicklung löst allerdings nicht automatisch alle Probleme. Denn auch Wien kämpft mit:- steigenden Wohnkosten
- Integrationsproblemen
- Bildungsunterschieden
- wachsendem Druck auf Infrastruktur und Schulen
- Fachkräftemangel trotz Zuwanderung
Was Unternehmen daraus lernen müssen
Für Unternehmer ergibt sich aus der Erwerbspersonenprognose eine klare Realität: Der österreichische Arbeitsmarkt wird regional immer ungleicher. Während Wien weiter wächst und junge Arbeitskräfte anzieht, geraten viele Regionen zunehmend unter Druck. Unternehmen außerhalb der Ballungsräume werden daher stärker investieren müssen in:- Arbeitgeberattraktivität
- Weiterbildung
- internationale Rekrutierung
- flexible Arbeitsmodelle
- Automatisierung
- regionale Kooperationen
Österreich altert rapide mit einer Ausnahme
Wien wächst gegen den Trend – was die Erwerbspersonenprognose wirklich zeigt Die neue Erwerbspersonenprognose der Statistik Austria bestätigt eine Entwicklung, die Unternehmerinnen und Unternehmer schon heute am Arbeitsmarkt spüren: Österreich altert rapide – und vielen Regionen gehen die Erwerbspersonen aus. Wien hingegen entwickelt sich deutlich anders als der Rest des Landes.
Wien bleibt als einziges Bundesland dynamisch
Während zahlreiche Bundesländer mittelfristig mit stagnierenden oder sinkenden Erwerbspersonenzahlen rechnen müssen, bleibt Wien vergleichsweise dynamisch. Die Hauptstadt gewinnt weiterhin Menschen im erwerbsfähigen Alter hinzu. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis mehrerer struktureller Faktoren. Bereits in unseren bisherigen Beiträgen zum Thema Demografie haben wir auf die langfristigen Verschiebungen hingewiesen: Einerseits auf das historische Geburtendefizit in Österreich, andererseits auf die wachsende Bedeutung von Migration für Bevölkerung und Arbeitsmarkt. Die Zahlen der Statistik Austria liefern nun die arbeitsmarktpolitische Konsequenz dieser Entwicklung.
Österreich schrumpft – zumindest im Arbeitsmarkt
Die zentrale Aussage der Prognose ist klar: Die österreichische Bevölkerung altert schneller als neue Erwerbspersonen nachkommen. Ohne Zuwanderung würde die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter massiv sinken. Studien des WIIW – Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche gehen davon aus, dass die Gruppe der 15- bis 64-Jährigen ohne Migration bis 2032 um mehrere hunderttausend Personen zurückgehen würde. Die Ursache dafür wurde bereits im Unternehmerweb-Artikel zum Geburtendefizit beschrieben: Österreich verzeichnet seit Jahren zu wenige Geburten, um die Bevölkerung ohne Zuwanderung stabil zu halten. Das aktuelle Geburtendefizit ist sogar das höchste seit Ende des Zweiten Weltkriegs.
Das Problem betrifft insbesondere ländliche Regionen. Dort kommen mehrere Faktoren gleichzeitig zusammen:
- niedrige Geburtenraten
- Abwanderung junger Menschen
- steigender Anteil älterer Bevölkerung
- geringere internationale Zuwanderung
Für Unternehmen bedeutet das: Der Wettbewerb um Fachkräfte wird außerhalb der Ballungsräume deutlich härter.
Warum Wien anders ist
Wien unterscheidet sich demografisch mittlerweile fundamental vom restlichen Österreich. Dafür gibt es vier zentrale Gründe.
1. Wien zieht junge Menschen an
Internationale Migration konzentriert sich stark auf urbane Zentren. Junge Menschen kommen wegen Ausbildung, Studium, Arbeitsmarkt und internationaler Netzwerke nach Wien. Forschungen zu österreichischen Wanderungsbewegungen zeigen, dass urbane Regionen eine enorme Anziehungskraft auf junge und höher qualifizierte Bevölkerungsgruppen ausüben. Das stabilisiert die Zahl der Erwerbspersonen in Wien deutlich stärker als in anderen Bundesländern.
2. Migration ist in Wien längst ein zentraler Wirtschaftsfaktor
Der dritte Teil unserer Demografie-Serie zeigte bereits: Mehr als ein Viertel der österreichischen Bevölkerung hat Migrationshintergrund. In Wien liegt dieser Anteil inzwischen bei rund 50 %. Noch wichtiger ist jedoch die wirtschaftliche Dimension: Laut einer aktuellen Studie des WIFO hatten bereits 2021 rund 43 % der unselbständig Beschäftigten in Wien einen Migrationshintergrund. Diese Gruppe erbrachte mehr als 42 % aller Arbeitsstunden in der Stadt.
In manchen Branchen wäre das Wiener Wirtschaftsmodell ohne Migration praktisch nicht mehr funktionsfähig:
- Bauwirtschaft
- Tourismus
- Pflege
- Gastronomie
- Transport und Logistik
- persönliche Dienstleistungen
Wien kompensiert den demografischen Rückgang also zu einem erheblichen Teil durch internationale Zuwanderung.
3. Wien hat eine andere Wirtschaftsstruktur
Während viele Regionen stark industriell oder kleingewerblich geprägt sind, dominiert in Wien der Dienstleistungssektor. Gerade wissensintensive Dienstleistungen, IT, Bildung, Forschung, Gesundheit und internationale Unternehmensdienstleistungen ziehen überdurchschnittlich viele junge Erwerbstätige an. Zudem ist Wien Universitätsstadt und Verwaltungszentrum zugleich. Dadurch bleibt die Stadt für inländische und internationale Arbeitskräfte attraktiv.
4. Wien profitiert vom Bildungseffekt
Hochschulen und Ausbildungsinstitutionen wirken wie demografische Magneten. Junge Menschen ziehen für Ausbildung und Studium in die Stadt – und viele bleiben dauerhaft dort. Dieser Effekt verstärkt sich seit Jahren und führt zu einer kontinuierlichen Verjüngung der Erwerbsbevölkerung im Vergleich zu vielen ländlichen Regionen.
Die Kehrseite der Wiener Sonderentwicklung
Die Wiener Entwicklung löst allerdings nicht automatisch alle Probleme.
Denn auch Wien kämpft mit:
- steigenden Wohnkosten
- Integrationsproblemen
- Bildungsunterschieden
- wachsendem Druck auf Infrastruktur und Schulen
- Fachkräftemangel trotz Zuwanderung
Zudem zeigen Studien, dass Migrantinnen und Migranten häufig unter schlechteren Arbeitsbedingungen arbeiten und stärker von Diskriminierung betroffen sind. Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr, ob Migration notwendig ist, sondern wie gut Integration in Arbeitsmarkt, Bildungssystem und Gesellschaft gelingt.
Was Unternehmen daraus lernen müssen
Für Unternehmer ergibt sich aus der Erwerbspersonenprognose eine klare Realität: Der österreichische Arbeitsmarkt wird regional immer ungleicher. Während Wien weiter wächst und junge Arbeitskräfte anzieht, geraten viele Regionen zunehmend unter Druck. Unternehmen außerhalb der Ballungsräume werden daher stärker investieren müssen in:
- Arbeitgeberattraktivität
- Weiterbildung
- internationale Rekrutierung
- flexible Arbeitsmodelle
- Automatisierung
- regionale Kooperationen
Die Zeit, in der ausreichend lokale Arbeitskräfte selbstverständlich verfügbar waren, geht zu Ende. Wien zeigt gleichzeitig, dass wirtschaftliche Dynamik trotz negativer Geburtenentwicklung möglich bleibt – allerdings nur unter Bedingungen hoher Mobilität, Zuwanderung und urbaner Verdichtung.
Die eigentliche demografische Frage lautet daher nicht mehr, ob Österreich schrumpft. Sondern welche Regionen künftig überhaupt noch genügend Erwerbspersonen haben werden.
Höchstes Geburtendefizit seit Ende des Zweiten Weltkriegs – Demografie Teil 4
Demografie Teil 3 – Über ein Viertel der Bevölkerung in Österreich hat einen Migrationshintergrund
Demografie – Teil 2: Bevölkerungswachstum, Verlustregionen und Stagnation der Erwerbsbevölkerung


