WKO-Wahlen Wien 2015: Eine Wahl – vier Ergebnisse. Jeder gewinnt – Was sagen Sie dazu?

© Illustration: www.corporate-interaction.com

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WKO Präsident Christoph Leitl und der Wiener Kammerpräsident Walter Ruck ließen sich letzten Freitag einen Augenblick lang als Wahlsieger feiern. Absolute Mehrheit 50,61% in Wien. 0,3% dazugewonnen bei einer leicht höheren Wahlbeteiligung. Besser kann es gar nicht gehen für den Österreichischen Wirtschaftsbund. Das machte das Minus in restlichen Bundesländern, mit Ausnahme von Kärnten, wieder wett.

 Vorläufiges Endergebnis von Freitag dem 27.02.2015

  • ÖWB: 20.413 Stimmen (50,6%)
  • SWV: 8.255 Stimmen (20,5%)
  • RFW: 510 Stimmen (1,3%)
  • GRÜNE: 5.192 Stimmen (12,9%)
  • UNOS: 2.470 Stimmen (6,1%)
  • FPÖ: 2.147 Stimmen (5,3%)
  • Sonstige: 1.343 Stimmen (3,3%)
  • Summe: 40.330 Stimmen (100,0%)

Schon am Wahlabend gab es dann Gerüchte, dass ein schöngerechnetes Ergebnis präsentiert worden war. Die Grüne Wirtschaft konterte am Sonntag dann mit einem neu berechneten Ergebnis:

 Ergebnis nach Berechnung der Grünen Wirtschaft

  • ÖWB: 14.785 Stimmen (36,7%)
  • SWV: 8.255 Stimmen (20,5%)
  • RFW: 1.590 Stimmen (3,9%)
  • GRÜNE: 5.192 Stimmen (12,9%)
  • UNOS: 2.470 Stimmen (6,1%)
  • FPÖ: 2.147 Stimmen (5,3%)
  • Überparteiliche Einheitslisten: 4.208 Stimmen (10,4%)
  • Namenslisten: 1.683 Stimmen (4,2%)
  • Summe: 40.330 Stimmen (100,0%)

Ein paar Stunden später wurde für Dienstag zu einer Pressekonferenz unter dem Titel „Der Wahlskandal der Wiener Wirtschaftskammer weitet sich zu einem bundesweiten Wahlskandal aus!“ geladen.

Postwendend auf diese Einladung veröffentliche der Sozialistische Wirtschaftsverband SWV am Dienstag dann folgendes „offizielles“ Ergebnis:

 Ergebnis nach Berechnung des Sozialistischen Wirtschschaftsverbands

  • ÖWB: 18.147 Stimmen (45 %)
  • SWV: 10.331 Stimmen (25,6 %)
  • RFW: 1.637 Stimmen (4,06 %)
  • GRÜNE: 5.597 Stimmen (13,88 %)
  • FPÖ: 2.136 Stimmen (5,3 %)
  • UNOS  2.470 Stimmen (6,12 %)
  • Sonstige: 12 Stimmen (0,02 %)
  • Summe: 40.330 Stimmen (100,0%)

Die Pressekonferenz der Grünen Wirtschaft brachte ein wenig Licht ins Dunkel der Wahlkampfberechnung.  Überparteiliche Einheitslisten und teilweise Namenslisten wurden dem Wirtschaftsbund zugerechnet. Und rund 1.000 Stimmen des RfW wanderten ebenfalls zum Wirtschaftsbund.

Am Dienstag Mittag wurde dann das offizielle Endergebnis auf der WKO-Website präsentiert:

Screenshot des Offiziellen Endergebnisses

Bildschirmfoto 2015-03-03 um 13.43.17Was fehlt sind die Angaben zu den Stimmen. Auffällig ist die Tatsache, dass es dem RfW mit nur 510 Stimmen oder 1,26% gelang 40 Mandate  zu erreichen, während die UNOS für 39 Mandate 2470 Stimmen oder 6,12% benötigten. Das wirft ein etwas schräges Licht auf die Wahlarithmetik. (Siehe dazu: Das Wirtschaftskammerwahlrecht – Folge 2: Warum die Stimme eines Bankiers 85-mal mehr als die eines Gärtnereibereibers zählt! » erschienen am 27.08.2014)

Randthema Wahlbeteiligung

Was leider in der Diskussion untergegangen ist, heißt Wahlbeteiligung. Nicht einmal 40% der Wahlberechtigten haben von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht.  Von Wahl zu Wahl sinkt die Wahlbeteiligung kontinuierlich. Lag die Wahlbeteiligung 2005 noch bei knapp 50%, gingen 2010 nur mehr 41% zur Wahl. 61,1% sind diesmal nicht zur Wahl gegangen. Was sind die Ursachen dafür? Warum machen immer weniger UnternehmerInnen von ihrem Stimmrecht Gebrauch?

Wir würden unsere LeserInnen gerne um Ihre Meinung zur WKO-Wahl bitten. Was meinen Sie dazu? Schreiben Sie uns einen Kommentar.

 

Quellen:

 https://www.wko.at/Content.Node/iv/presse/wkoe_presse/presseaussendungen/pwk_150_15_Die-oesterreichische-Wirtschaft-hat-gewaehlt.html

 http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150302_OTS0145/aviso-gruene-wirtschaft-bringt-neue-fakten-zum-wahl-skandal-der-wiener-wirtschaftskammer-dienstag-1000-uhr-caf-landtmann

 http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150302_OTS0206/swv-klarstellung-zum-finalen-wk-wahlergebnis-fuer-wien

 https://www.wko.at/Content.Node/Interessenvertretung/w/Offizielles-Wahlergebnis-der-Wirtschaftskammer-Wahl-in-Wien.html

 

Weitere Artikel zur WKO-Wahl 2015:

Wirtschaftskammerwahl – Wofür die Fraktionen stehen »

Kommentar: WKO-Wahlen 2015 – Demokratisches Tun in seiner besonderen Form »

Im Fokus: Wirtschaftskammerwahl – Hält die Absolute in Wien? »

UWEB-Serie zum WKO-Wahlrecht

Das Wirtschaftskammerwahlrecht – Folge 8: Frau Leitz will kandidieren. » (erschienen am 19.11.2014)

Das Wirtschaftskammerwahlrecht – Folge 7 : Herr Huber will kandidieren » (erschienen am 14.11.2014)

Das Wirtschaftskammerwahlrecht – Folge 6: Wer hat, dem wird gegeben! Ein Kommentar von Benjamin Kloiber. » (erschienen am 23.09.2014)

Das Wirtschaftskammerwahlrecht – Folge 5: Frau Löscher geht wählen » (erschienen am 17.09.2014)

Das Wirtschaftskammerwahlrecht – Folge 4: Undemokratisch und mehrheitssichernd?  » (erschienen am 09.09.2014)

Das Wirtschaftskammerwahlrecht – Folge 3: So wird der WKO-Präsident bestimmt! » (erschienen am 03.09.2014)

Das Wirtschaftskammerwahlrecht – Folge 2: Warum die Stimme eines Bankiers 85-mal mehr als die eines Gärtnereibereibers zählt! » (erschienen am 27.08.2014)

Das Wirtschaftskammerwahlrecht – Folge 1: Wer wen und was wählt! » (erschienen am 20.08.2014)

 

 

 

Author: Thomas Nasswetter

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2 Kommentare

  1. Es ist halt schon bemerkenswert/bedenklich, dass die Stimmen vom RFW – die nicht zum „Mandat“ benötigt wurden – einfach dann dem Wirtschaftsbund zugeschlagen werden können. Angeblich ist das sogar rechtlich gedeckt.

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  2. Thema Wahlbeteiligung:
    Bei einer Aussendung der Wahlkarten so kurz vor der Wahl kann schon mal die Wahlbeteiligung darunter leiden. Bestellt hatte ich meine Wahlkarte f. Wien Anfang Jänner, erhalten dann, wie so viele andere, letztendlich erst am 19.02., Annahmeschluß der Wahlkarten (NICHT Poststempel, sondern Eintreffen bei der Wahlbehörde) war der 26.02., 20:00 Uhr.

    Warum hatte ich mir nochmal eine Wahlkarte zukommen lassen? Achja, wegen dem Urlaub, den ich geplant hatte und da bin ich ja vermutlich nicht der einzige der sich seine Wahlkarte aus gutem Grund zukommen lassen wollte. Ich bin mir also ziemlich sicher, dass viele an der Wahl überhaupt nicht teilnehmen konnten, da die Wahlkarten dermaßen spät ausgesendet wurden.
    Schon alleine deshalb, weil die Aussendung der Wahlkarten viel zu spät erfolgt ist, sollten ALLE eintreffenden Wahlkarten gewertet werden. Mich würde brennend interessieren, wie die Wahl ausgegangen wäre, wenn auch alle zu spät eingetroffenen Wahlkarten gewertet worden wären.

    Die späte Aussendung alleine ist schon Grund genug, diese Wahl zu wiederholen.

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