Kommentar zur Causa Fritz Amann – EPU sind Tagelöhner und keine Unternehmer

Eines hat Fritz Amann bewirkt: Die Ein-Personen-Unternehmen sind zumindest kurzzeitig in die Schlagzeilen geraten. Christoph Leitl höchst selbst hat auf meinen offenen Brief an die Wirtschaftskammer bezüglich seines ehemaligen Vizepräsidenten geantwortet. Er hat sich über das Verhalten Ammans empört. Gleichzeitig wies er auf ein paar Errungenschaften der letzten Zeit hin; womöglich zur Besänftigung. Zuvor hatte er sich bereits mit der FPÖ auf einen schnellen und fast geräuschlosen Personalwechsel im Präsidium geeinigt. Keine zwei vollen Tage hat das gedauert und Fritz Amann war Geschichte; für österreichische Verhältnisse eine unfassbar schneller Vorgang. So ist wieder Ruhe einkehrt und alle sind zur Tagesordnung zurückgekehrt?

Kammerwahlen 2015

Auf dieser Tagesordnung stehen 2015 Wirtschaftskammer Wahlen. 57,3 Prozent der Mitglieder sind EPU. Damit stellen sie zumindest theoretisch die Mehrheit in der WKO. Dieser Umstand sollte aus meiner Sicht eigentlich verhindern, dass einfach zur Tagesordnung übergegangen werden kann. Wie groß der Unsicherheitsfaktor „Wahlverhalten der EPU“ für die Mehrheitsverhältnisse in der Kammer wirklich ist, das kann derzeit kaum abgeschätzt werden. Vermutlich bemühen sich sowohl die etablierten als auch neue Gruppen um die Stimmen der EPU. Am meisten hat dabei der Wirtschaftsbund unter der Führung von Christoph Leitl zu verlieren. Die Teilorganisation der ÖVP ist seit Menschengedenken das bestimmende Element in der Kammerpolitik.

Die Lasten der „Tagelöhner“

Viele der „Tagelöhner“ stöhnen zu recht. Die Mehrheit der arbeitenden Menschen in diesem Land leiden unter der erdrückenden Steuerlast. Viele Einzelunternehmer und Selbständige zahlen prozentuell gesehen deutlich höhere Steuer als die meisten der großen Firmen in Österreich. Diejenigen mit sehr kleinen Gewinnen haben mit einer Sozialversicherung zu kämpfen, die meiner Meinung nach nicht adäquat für Betreiber von Kleinstgewerben geregelt ist. Die schulische Bildung des Nachwuchses soll nicht die Beste sein, schenkt man den Medien und manchen Umfragen Glauben. Das spürt vor allem das Handwerk, das traditionell Lehrlinge ausbildet. Seit nunmehr 30 Jahren sitzen  Vertreter der Wirtschaftskammer in der Regierung und habe daher vieles davon mit zu verantworten. Gut möglich, dass sich die Unzufriedenheit mit dieser Politik und den Doppelrollen der Funktionäre bei den Kammerwahlen im Stimmverhalten ausdrückt.

Das neue Unternehmerbild und der Mindset der Kämmerer

Das Unternehmerbild hat sich gerade bei den EPU und Kleinunternehmen in den letzten 10 Jahren teilweise radikal gewandelt. Ob sich das Bild des Unternehmers in den Köpfen der Interessensvertreter auch schon radikal verändert hat, das wage ich hier, nicht nur auf Fritz Amann bezogen, einfach in Zweifel zu stellen. Die meines Wissens bisher einzige Veranstaltung 2014 der Wiener Wirtschaftskammer für KleinunternehmerInnen „Kleinunternehmerabend 2014 – Die AUFWÄRTSspirale – Wie man mit Erfolg Niederlagen meistert!“  beschäftigt sich vorrangig mit dem Scheitern. Im abschließenden Bericht über die Veranstaltung war zu lesen: „ … Scheitern als Teil der Unternehmensstrategie zur Zielerreichung zu akzeptieren.“

Fritz Amann läßt grüßen!

 

Links:

Offener Brief an die Wirtschaftskammer »

Antwort von WKO Präsident Christoph Leitl »

Author: Thomas Nasswetter

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1 Kommentar

  1. Also ich finde Amann hatte recht mit seiner Aussage. Durch eine Änderung der Gewerbeordnung sind plötzlich zehntausende meist ausländische Pflegerinnen Kammermitglieder geworden. Damit wurde meiner Meinung nach das klassische Unternehmertums verwässert. Ich meine, dass Ziel eines Unternehmens muss es sein zu wachsen und Mitarbeiter zu beschäftigen. Das hat auch Amann vertreten, aber wie immer hat das die linke Presse in diesem Land einfach ausgeblendet. Klar gibt es Einzelkämpfer, die gerne alleine arbeiten und damit auch wirklich Geld verdienen, die verweigern sich aber meiner Meinung nach ihrem gesellschaftlichen Auftrag als Unternehmer!

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