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RADIO-UWEB im Gespräch – Georg Guensberg Teil 1: Die Energiepolitik ist eine ganz zentrale Frage!

© Bild Maria Nasswetter

Das Gespräch führte Thomas Nasswetter, die Zusammenfassung stammt von Maria Nasswetter.

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© Bild: Maria Nasswetter

Die Energiepolitik ist eine ganz zentrale Frage für unsere Gesellschaft. Daher ist es mein Bemühen durch mein berufliches Handeln einen Betrag zu leisten, damit sich das ein oder andere ein Stück weit in die richtige Richtung bewegt.

In die richtige Richtung heißt für mich: So weit wie möglich raus aus der fossilen Energie rein in erneuerbare Energie, um einen zukunftsgerechten Umgang mit dem Energieverbrauch zu entwickeln.

Die Energiedebatte unterliegt vielen Einflussfaktoren!

Die Loslösung der Energiefrage und die Betrachtung dieser als einen eigenen, segmentierten Bereich funktioniert nicht. Denken wir an die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 und 2009, da hatten wir das Ölpreismaximum weltweit mit einem Preis von über 145 Dollar pro Barrel Öl. Die hohen Ölpreise bremsten das Konsumwachstum, das wirkte sich auf die wirtschaftliche Entwicklung aus und so ist man ganz schnell bei Fragen, die das Gesamtsystem und nicht mehr allein den Energiesektor betreffen.

Nachhaltigkeit ist oft ein Thema im Familienbetrieb – Druck kommt aber auch vom Konsumenten

Es kann schon sein, dass man als Unternehmer in einen gewissen Konflikt gerät, wenn das Unternehmen einerseits wachsen soll, man dabei aber auch sieht, dass man Teil eines Kreislaufes ist, der nicht nur Gutes bringt.

Ich habe allerdings den Eindruck, dass es viele Unternehmer gibt, die sich diese Frage kritisch stellen, ihre Produkte weiterentwickeln und überlegen, welche Bereiche aufgrund des intensiven Ressourcenverbrauchs zurückgeschraubt werden sollen. Viele Familienbetriebe haben sich dem nachhaltigen Gedanken gestellt und dementsprechend agiert. Diese Haltung könnte vielfach dem Umstand geschuldet sein, dass aus der eigenen Geschichte heraus das Verantwortungsbewusstsein gegenüber nachfolgenden Generationen mehr im Vordergrund steht als der unmittelbare Profit. Beim Fond „X“ sieht das aber meistens ganz anders aus.

Auch im Lebensmittel- und Ernährungssegment ist Nachhaltigkeit zum Beispiel so stark nachgefragt, dass kein größeres Handelsunternehmen das ignorieren kann. Diese sehr gute und wichtige Entwicklung beeinflusst also direkt die konventionellen Märkte. Das ist etwas wo wir hin müssen.

Nur langsam stellt sich ein kultureller Wandel im Hinblick auf die Energiefrage ein!

Im Energiebereich war ich mir lange nicht so sicher ob wir schon eine Kultur haben, bei der die Menschen nachfragen woher die Energie kommt. Da hat sich aber sehr wohl in den letzten Jahren einiges positiv entwickelt.

Allerdings gibt es Märkte die diesbezüglich schwieriger sind. Im Mobilitätssegment sind wir kulturell teilweise so stark auf alte Muster verhaftet, dass es einfach Zeit braucht bis ein mobilitätskultureller Wandel einsetzen kann.

Bei der Wärmeversorgung ist es etwas differenzierter. Wir sind aber noch nicht so weit, dass sich der Kunde von Öl- und Gasprodukten dafür interessiert ob die Rohstoffe aus Kasachstan, Nigeria oder Russland kommen. Beim Gas ist das Bewusstsein ein wenig höher durch die Gaskrise mit Russland und der Ukraine.

Wer fragt schon nach ob sein Heizöl aus einem demokratiefeindlichen Land kommt und wie abhängig wir gleichzeitig von solchen Erdölländern sind?

Wir kooperieren im Energiebereich sehr stark mit Staaten, die ihrerseits andere demokratiepolitische Ansprüche und andere Menschenrechtstandards haben. Ich habe mir mehrmals erlaubt die Gas- und Rohölimportstatistiken mit den Demokratie- und Menschenrechtsindex, die der Economist Intelligence Unit jährlich herausgibt, zu vergleichen. Und dann habe ich mir die zehn Top-Rohölimportstaaten Österreichs angeschaut, die angeführt wird von Kasachstan, Saudi Arabien, Libyen, Syrien, Irak etc. Der bestplatzierte Staat war Libyen auf Platz 96 in diesem Index. Alle anderen Staaten sind nicht unter diesen Top 100.

13 Milliarden gibt Österreich für die jährlichen Energieimporte aus

© Bild: Maria Nasswetter
© Bild: Maria Nasswetter

Österreich gibt mit Stand 2012 netto 13 Milliarden Euro für die Fossilenergieimporte aus. Da diese Preise so gestiegen sind, geben wir heute doppelt soviel dafür aus als noch vor ein paar Jahren. Dieser Betrag von 13 Milliarden wird vom österreichischen Haushalt an diese demokratiepolitisch fragwürdigen Staaten gezahlt.

Diese undemokratischen Systeme werden damit forciert und das ist kein Zufall, dass es ölproduzierende Staaten sind, in denen extrem hohe Ungleichheit und Ausbeutung herrschen. Hier kommt das Geld nur einer privilegierten Elite zugute. Das ist ein Muster, das sich weltweit durchzieht.

Nun stellt sich die Frage nach unserem Verantwortungsbewusstsein und ob wir diese Entwicklung forcieren wollen. Gibt es Möglichkeiten wie wir regional unsere Wirtschaft stärken können, indem wir auf erneuerbare Energien und Energiedienstleistungen setzen? Auch stellt sich die Frage wie man Kooperationen finden kann die nicht unbedingt dafür sorgen, dass wir in Diktaturen investieren.

Der Energiebereich ist von kriegerischen Auseinandersetzungen belastet

Der Energiebereich ist ein sehr belasteter Bereich rund um kriegerische Auseinandersetzungen, Konflikte, Eigeninteressen, dass dieser Umstand schon eine spezifische Aufmerksamkeit erfordert. Der Verbraucher hat durchaus Einflussmöglichkeiten. Es hat ja Gründe warum die europäischen Märkte für den Gasbereich wichtig sind. Europa ist insgesamt ein großer, relevanter Markt im Bereich Rohstoffe und Ressourcen. Und zudem ist es eine Frage von Eigeninteresse, wenn wir uns einfach derartig der Preisentwicklung im Bereich der fossilen Energie aussetzen.

Darum ist es wichtig sich von dieser Abhängigkeit zu lösen – sowohl als Gesellschaft, als auch als Individuum. Man entlastet letztendlich durch eine Reduktion des fossilen Energieverbrauchs auch sein eigenes Geldbörsel. Dabei wird letztlich auch in Strukturen investiert, die auch wirtschaftlich nachhaltiger sind. Wir werden realistischer Weise in absehbarer Zeit nicht ganz aus der Abhängigkeit von fossiler Energie kommen, aber das Ziel muss sein, möglichst weitgehend diese Abhängigkeit und die Transportkosten zu reduzieren.

Je unmittelbarer das ins eigene Bewusstsein rückt, desto eher ist die Wahrscheinlichkeit sich damit näher zu beschäftigen.

Nicht jeder Haushalt ist gleich belastet

Unterschiedliche Typen von Haushalten sind in Österreich von unterschiedlich hohen Energiekosten belastet. In der Stadt mit kurzen Wegen, ohne Auto und mit Fernwärme versorgt sieht die Energierechnung deutlich anders aus als mit einer Ölheizung am Land und 30.000 mit dem Auto zurückgelegten Kilometern. Diese beiden Beispiele erzeugen einen Kostenunterschied von mehreren tausend Euro im Jahr. Aber im Grunde genommen sind viele Menschen am Land hier Alternativen los, außer es gelingt die gefahrenen Kilometer zu reduzieren und einen Pellet Kessel einzubauen. In Österreich sind es immer noch über 700.000 mit Öl beheizte Haushalte, die von einer solchen oder ähnlichen Situation betroffen sind.

Wie kann man als KMU eine Energiestrategie ausarbeiten und welche Überlegungen bringt das mit sich?

© Bild: Maria Nasswetter
© Bild: Maria Nasswetter

Es hängt immer von der Relation zwischen Anteil der Energiekosten zu den Gesamtkosten ab. Aber auch bei den kleinen, gewerblichen Betrieben gibt es große Unterschiede. Das normale Gewerbe profitiert übrigens nicht oder kaum vom gesunkenen Industrie- und Großhandels- Börsenstrompreis. Das aktuelle Energieeffizienzgesetz sollte aber einen entsprechenden Anreiz bieten, ich bin mir aber nicht sicher, ob das für kleinere Gewerbebetriebe ausreichend sein wird.

Ich hoffe aber auch darauf, dass es einen kulturellen Wandel gibt, dass es nicht mehr egal ist woher man seinen Strom bezieht und wie die Halle beheizt wird. Es wird auch ein immer wichtigerer Imagefaktor. Die Leute haben was zu erzählen und auch herzuzeigen, wenn sie auf erneuerbare Energie umrüsten und den Energieverbrauch deutlich reduzieren. In Wien merkt man es derzeit sehr stark, wo Bauträger auch im gewerblichen Bereich nicht mehr umhin kommen zu sagen: Wir bauen spezifisch „Öko“ oder Energieverbrauchs schonend oder „Smart“.

Meine Vision ist eine Selbstverständlichkeit, mit der man beispielsweise in einem Dienstleistungsgebäude sieht, wie hoch im Augenblick der Energieverbrauch ist und wie dafür der Strom und die Wärme produziert werden. Daran lasse ich unmittelbar die NutzerInnen dieses Gebäudes teilhaben. In jedem Gebäudeeingang soll klar angezeigt werden, wie der Mensch und die Energie interagieren. Darin liegt für mich der kulturelle Wandel!

Die Visualisierung der Energiefrage bietet Chancen für neue Unternehmen

Hier sehe ich auch einige unternehmerische Chancen. Setzt sich zum Beispiel die kreative Branche gemeinsam mit den Energietechnikern zusammen und sie überlegen sich: wie setzt man das am besten um, damit Usability gewährleistet ist. Das ist sozusagen der Energiedienstleistungsbereich, der über die rein technische Maßnahme, wie ich erneuerbare Energie einsetze oder Energie einspare, hinausgeht. Es müssen sich neue Anwendungen entwickeln, die Lust darauf machen bei diesem kulturellen Wandel mitzumachen. Erstrangig ist die Möglichkeit gemeinsam etwas zu erwirken und das durch ein tolles Interface so darzustellen, dass es eine coole Angelegenheit wird.

Deutsche Energiewende auch in Österreich spürbar!

Es ist nicht nur die Liberalisierung der Energiemärkte die entsprechend für mehr Vielfalt sorgen sondern es wirken sich auch die veränderten technischen Möglichkeiten, die dezentrale erneuerbare Energieträger bieten, aus. Damit gibt es mehr Wettbewerb und diese Entwicklung schafft einen Druck für die Big Player. Plötzlich verschaffen sich andere Akteure und teilweise auch andere Strukturen einen Platz.

Die Energiewende in Deutschland ist ein gutes Bespiel für einen Machtkampf, der sehr stark um die Energiezukunft ausgefochten wird. In Österreich ist es vielleicht ein wenig anders, weil sich große Energieversorgungsunternehmen schon etwas früher mit dem Einsatz von alternativen Energien auseinandersetzen.

Auch die österreichische Industrie profitiert ja derzeit stark von der deutschen Energiewende. In den letzten vier Jahren ist, rein auf den Energiepreis bezogen, der Energiepreis zwischen 16 und 19 Prozent zurückgegangen. Der Energiepreis für die Industrie ist deutlich gesunken, während er für die privaten Haushalte gleich geblieben ist.

Dazu sei jedoch angemerkt, dass die Anteile der Stromkosten an den Gesamtkosten, sei es bei den privaten Haushalten (Anmerkung der Redaktion: 8 bis 12%) und bei den Betrieben mit 2 bis 4%, relativ niedrig sind. Das Gros der österreichischen Wirtschaft und Industrie hat in etwa diese 3%, bis auf ein paar energieintensiveren Industrien.

Es muss uns bewusst sein, dass wenn wir über Stromkostenentwicklungen reden, damit immer noch ein relativ geringer Anteil an den Gesamtenergiekosten von Österreich gemeint ist. Der Hauptbereich ist immer noch die Mobilität und die Wärmeversorgung, über die man kaum spricht und da kommen leider die Relationen etwas durcheinander.

 

Alle Teile des RADIO-UWEB im Gespräch mit Mag. Georg Guensberg:

RADIO-UWEB im Gespräch – Georg Guensberg Teil 1: Die Energiepolitik ist eine ganz zentrale »

RADIO-UWEB im Gespräch – Georg Guensberg Teil 2: Der Unternehmer » (erscheinen am 22.08.2014)

RADIO-UWEB im Gespräch – Georg Guensberg Teil 3: Fracking, Mobilität, Energiepreise und Klimapolitik » (erschienen am 23.08.2014)

 

Wenn auch Sie sich als UnternehmerIn mit einem kostenlosen Portrait vorstellen möchten, nehmen Sie bitte Kontakt zur Redaktion auf.

Author: Maria Nasswetter

Maria Nasswetter ist Soziologin und auf soziale Interaktion, Communities, Bildkommunikation und -strategien spezialisiert. Communities und soziale Interaktion sind Schwerpunktthemen, mit denen sie sich theoretisch und praktisch beschäftigt. Daher ist auch das Unternehmerweb, verstanden als Synergie zwischen On- und Offlineaktivität, ein Ort an dem sie ihre Expertisen einbringt.

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