Lehre im Fokus – Ein erster Überblick

© visual: www.corporate-interaction.com Wir bringen ab sofort das Thema Lehrlinge in Österreich auf die Bühne

© visual: www.corporate-interaction.com
Wir bringen ab sofort das Thema Lehrlinge in Österreich auf die Bühne

Gemessen an der Wichtigkeit, gut ausgebildete MitarbeiterInnen zu bekommen und die Jugendarbeitslosigkeit möglichst gering zu halten, wird das Thema Lehrlinge in Österreich unserer Meinung nach zu wenig konstruktiv öffentlich diskutiert. Daher eröffnen wir mit diesem Artikel das Thema Lehrlingsausbildung in Österreich.

 

Vorbild Österreich beim dualen System

Österreich gelte mit seinem dualen Ausbildungssystem und seiner Ausbildungsgarantie innerhalb der EU als Vorbild bei der Vermeidung von Jugendarbeitslosigkeit, so ist dem Trendreport 2013 zu entnehmen.
Auf der Website des österreichischen Sozialministeriums ist zu lesen, dass das duale System der Lehrausbildung von rund 40% jedes Geburtenjahrgangs in Anspruch genommen werde. Durch die Verbindung praktischer und schulischer Ausbildung wäre diese Form besonders attraktiv. Für ausbildende Betriebe würden außerdem weitere Fördermodelle geschaffen werden.

 

Alles paletti?

Das klingt alles wunderbar und man könnte den Eindruck gewinnen, dass der Lehrberuf eine wirklich erfreuliche Option für Jugendliche, junge Erwachsene und Spätberufene in Österreich sei. Hier wird sozusagen der Praktikumsplatz bezahlt und man steigt gleich von Beginn an ins Berufsleben ein. Wer gerne selbständig sein möchte und nicht mehr von den Eltern abhängig sein will, für den ist das also eine gute Möglichkeit. Wer sich während der Lehre weiterbilden möchte, um später studieren zu können kann dies relativ einfach bewerkstelligen. Die Berufsmaturaschule ist für jeden Lehrling in Österreich kostenlos. Absolviert man einen der Hauptfächer wie Deutsch, Mathematik oder Englisch innerhalb der Lehrzeit positiv, hat man danach noch 5 weitere Jahre Zeit, die Matura zu machen.
Bedenkt man, dass eines der größten Probleme bei der Jugendarbeitslosigkeit die fehlende Berufserfahrung ist, dann müsste das doch oft der Plan A für Eltern und SchülerInnen sein.
Länder, in denen mehr Wert auf rein schulische Ausbildung gelegt werde, hätten mehr mit der Jugendarbeitslosigkeit zu kämpfen. Betriebe nehmen in Krisenzeiten keine Neueinstellungen vor. Wenn junge Menschen keinerlei praktische Erfahrungen vorweisen können, wollen viele UnternehmerInnen nicht diejenigen sein, die erst Mal eine betriebliche Erziehung vornehmen müssen. Aus langjähriger Erfahrung weiß Frau Zeiringer, die einen Installateursbetrieb führt, wie immer wichtiger es wird junge Menschen erst mal in betrieblicher Lebenskunde zu unterrichten. Da geht es um Benimmregeln, dem richtigen Umgang mit Kunden und Vorgesetzten, um adäquate interne Kommunikation und vieles mehr.

 

Lehre ist gut, aber nur für die Anderen.

Doch nein, die Lehre ist prinzipiell uncool und wenn es nur irgendwie geht peitschen ehrgeizige Eltern ihre Kinder durchs Gymnasium. Die Lehre ist damit nur Plan B. In der Berufsschule befinden sich viele SchulabbrecherInnen, vorallem solche aus HTLs. Berufsschulen haben keinen besonders guten Ruf in Österreich und wer kann macht etwas anders.
Es gibt also auch viel Kritik an dem System der Lehrlingsausbildung. Die Verantwortlichen müssten viel stärker in Schulen für das duale System werben und massive Aufklärungsarbeit betreiben. Wenn UnternehmerInnen gute zukünftige MitarbeiterInnen wollen, müssen sie auch bereit sein solche auszubilden.

 

Ein reichhaltig gedeckter Lehrberufs-Gabentisch. Bitte zugreifen!

Von A wie Augenoptik, über I wie Immobilienkaufmann zu Z wie Zahntechnik reicht die Palette.
Aktuell gibt es 199 verschiedene Lehrberufe in Österreich. Diese verteilen sich auf insgesamt 21 Berufsgruppen. Es gibt eine unglaubliche Vielfalt und somit die Möglichkeit, gleich mal auszuprobieren, ob das Interesse mit dem tatsächlichen Beruf zusammenpasst.

 

Wir lassen alle zu Wort kommen!

Wir werden im Laufe der Zeit mit ausbildenden Betrieben, BerufsschullehrerInnen, Lehrlingen, Maturanten, Eltern, Behörden uvm. Interviews führen und das Thema von verschiedenen Seiten beleuchten.
Wir werden dazu immer wieder nützliche links und Tipps anbieten; wo findet man potentielle Lehrlinge , welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden, um Lehrlinge ausbilden zu dürfen, wann und warum macht es Sinn, welche Erfahrungen gibt es dazu? Das sind einige der Themen, die wir in nächster Zeit aufgreifen werden.

 

Weitere Artikel zur Serie Lehre im Fokus:

Interview mit einem „advanced“ Lehrling: Lehre im Fokus: … ein Zuckerbäckergeselle und Lehrling im Druckereigewerbe plaudert aus der Schule »

Interview mit einer Buchhändlerin: Lehre im Fokus – Mehr Engagement wäre gefordert! »

 

Quellen:
http://www.forba.at/data/downloads/file/755-Trendreport_1_2013_RZ_Webversion.pdf
http://www.sozialministerium.at/site/Arbeit/Arbeitsmarkt/Arbeitsmarktpolitik_in_Oesterreich/Schwerpunkt_Jugendbeschaeftigung
http://kurier.at/wirtschaft/wirtschaftspolitik/oesterreich-ist-vorbild-bei-jobs-fuer-die-jungen/1.599.534
http://www.berufsmatura-wien.at/de
https://www.unternehmerweb.at/heide-zeiringer-naturinstallateurin/
http://www.ausbilder.at/lehre-im-ueberblick/lehrlingsausboesterreich

Author: Maria Nasswetter

Share This Post On

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.