Mode und Alter

Anti-Aging ist vorbei

© visual: www.corporate-interaction.com

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Meine Mutter ist 52. Stiltechnisch gesehen ist sie seit jeher ein Vorbild für mich. Mit ihren sympathischen 1,66 m trägt sie Größe 36, manchmal auch auch 38. Passend zu ihrem goldblond gefärbten Haar hat sie Sommer wie Winter einen leicht gebräunten Teint und kleidet sich immer dem Anlass entsprechend modisch. Seitdem ich vor einigen Jahren ins schöne Wien gezogen bin, bin ich doch jedes Mal erstaunt, wenn ich sie nach langer Zeit wiedersehe und feststelle, dass sie mit jedem Jahr schöner wird, Lachfältchen hin oder her. Aus Mediensicht gehört sie nun zur Gruppe der „Best-Ager“, einer „Generation Gold“ oder je nach Perspektive auch milde belächelt „Over-50s“ genannt. Mit dem Alter hatte meine Mutter noch nie ein Problem, leider gehört sie hierbei zu einer statistischen Minderheit, die nach und nach von zwei starken Gruppen jugendsüchtiger Schönheitsfanatikerinnen und stillos (un)glücklicher Pferdefreundinnen überrollt wird.

Rollenbilder vs Jugendwahn

Um sie mit heutigen, markttypischen Attributen zu beschreiben ist sie eine kaufkräftige, konsumorientierte und zweifelsfrei qualitätsbewusste Frau, die ihre Kleidung gerne online bestellt und viel fernsieht. Tatsächlich kommen Frauen wie sie auch in der Werbung vor, wenn sie mit sportlicher Kleidung lachend ein Segelschiff steuern oder mit dem Fahrrad über grüne Feldwege fahren. Doch sind es meist Investmentfonds oder Pflegeprodukte, die gegen die erschreckenden Zeichen der Zeit angewendet werden sollten, welche damit beworben werden. In der Welt von Modemagazinen, Designern und Models ist kein Platz für Frauen ab 50 und selbst im Business wird der hippen, jungen Mit20erin mit besten Iphonekenntnissen der erfahrenen „Best-Agerin“ bei Entscheidungen betreffend Mode und Stil der Vorrang erteilt. Ich komme nicht umhin mich zu fragen, woher diese stille Übereinkunft rührt und warum es für Frauen und Männer jenseits der 30 so schwierig ist, eigene Schönheit zuzugestehen, ganz ohne silbergraue Dauerwellen, Musterprints und Gesundheitslatschen.

Komfort statt Prada

Sprechen moderne Designer von ihren Müttern oder Großmüttern geht es meist darüber, wie umwerfend oder gar wunderbar sich diese kleideten, als die Lagerfelds, Kretschmers und Joops noch kleine Burschen waren. Geht es aber um die eigene Mode, haben Designer als Zielgruppe weder ihre Großmütter noch ihre Mütter im Blick. Ihre Kollektionen werden für junge, schlanke und faltenlose Frauen entworfen, die im besten Fall Größe 34 tragen. Modisch gesehen ist es doch sehr schwer, die Zielgruppe, die nicht in dieses Schema fällt, einzuordnen. Marken und Geschäfte für Damen und Herren über 50 gibt es en masse, doch wer möchte schon mit solcherlei Großmutter-Fashion in Verbindung gebracht werden, fühlt sich der Gang in solcherlei Shops doch schnell so an, als würde man ein zeitliches Wurmloch durchschreiten, an welchem Ende man sich mit der Tatsache abfinden muss, dass es von nun an nur noch bequeme Hosen mit Gummibund und elastische Blusen aus Jersey zur Verfügung gibt. Für die alten für morgen gibt es keinen Dresscode mehr. Nur mehr Wenns und Abers.

Der Ruf nach Revolution

Selbstbewusstes Altern mit allen Vor- und Nachteilen und sich dabei treu bleiben. Dies scheint eine schwierige Angelegenheit zu sein, sollte die Kunst des ewigen Jungbleibens doch leicht durch ein unangestrengtes und dennoch stilvolles Altern ersetzt werden. Eine gesündere Lebensweise in Verbindung mit einem Job, der einen mit spätestens 60 nicht zum kompletten Wrack gemacht hat, bringt den einen oder anderen eventuell einen Schritt weiter in Richtung „Happy Aging“. Deswegen von nun an nur noch entkoffeinierten Kaffee zu trinken und keinen Sonnenstrahl mehr an die Haut zu lassen, geschweige denn nie mehr eine komplette Nacht durchzufeiern, ist definitiv nicht Sinn der Sache. Doch vielleicht sollte man als leidenschaftliche Jeansträgerin dem Denim auch über 60 noch treu bleiben und das Haar auch weiterhin lang und offen tragen, auch wenn der Friseur eher einen „frechen Kurzhaarschnitt“ empfiehlt.

 

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Author: Martin Ehmele

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