KMU-Forschung: Studie zur Sparte Information und Consulting – Wachstum ja, Entspannung nein
Die österreichische Sparte Information und Consulting blickt auf ein wirtschaftlich solides, aber keineswegs sorgenfreies Jahr 2025 zurück. Der aktuelle Konjunkturbericht 2026 der KMU Forschung Austria im Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich zeigt: Die Branche wächst weiter, doch dieses Wachstum ist nicht gleichbedeutend mit breiter Entspannung. Im Gegenteil: Hinter den positiven Umsatzzahlen stehen strukturelle Belastungen, sinkende Beschäftigung und eine weiterhin vorsichtige Investitionsbereitschaft.
130.000 Mitglieder – 270.000 Beschäftigte
Die Sparte Information und Consulting umfasst rund 129.100 aktive Unternehmen und zählt damit zu den großen Säulen der gewerblichen Wirtschaft in Österreich. Sie steht für Unternehmensberatung, IT, Werbung, Ingenieurbüros, Finanzdienstleistung, Immobilienwirtschaft, Medien, Druck, Telekommunikation und weitere wissensintensive Dienstleistungen. Insgesamt wurden 2025 rund 269.400 unselbstständig Beschäftigte gezählt. Das bedeutet allerdings ein Minus von 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders stark war der Rückgang in der Buch- und Medienwirtschaft, bei Immobilien- und Vermögenstreuhändern sowie in der Werbung.
84 Milliarden Umsatz – 4,9% Wachstum
Gleichzeitig entwickelte sich der Umsatz positiv. Die Branche erzielte 2025 rund 84,5 Milliarden Euro Umsatz. Nominell entspricht das einem Plus von 4,9 Prozent, preisbereinigt bleibt ein reales Wachstum von 2,7 Prozent. Damit entwickelte sich Information und Consulting deutlich besser als die Gesamtwirtschaft, deren reales Wachstum laut Bericht bei nur 0,6 Prozent lag. Besonders kräftig wuchsen Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT, Versicherungsmakler, Immobilien- und Vermögenstreuhänder sowie Ingenieurbüros.
Das Bild ist also zweigeteilt. Die Nachfrage nach wissensintensiven Dienstleistungen bleibt grundsätzlich vorhanden, gleichzeitig geraten Geschäftsmodelle unter Druck. Gerade in der Werbung zeigt sich das deutlich: Nominell gab es zwar ein Umsatzplus, real verzeichnete der Fachverband jedoch einen leichten Rückgang. Für viele Betriebe bedeutet das: Mehr Umsatz heißt nicht automatisch mehr Ertrag. Kosten, Preisdruck und veränderte Kundenbudgets bleiben zentrale Themen.
59% sind EPU
Auffällig ist der hohe Anteil kleiner Strukturen. 59 Prozent der Unternehmen in der Sparte sind Ein-Personen-Unternehmen. Diese EPU entwickelten sich beim Umsatz sogar überdurchschnittlich gut. Ihr nominelles Umsatzplus lag 2025 bei 7,9 Prozent, real bei 6,1 Prozent. Das zeigt die Flexibilität kleiner Anbieter, aber auch eine strukturelle Besonderheit: Viele Leistungen in Information und Consulting werden von Selbstständigen, Spezialistinnen und Spezialisten oder projektorientierten Kleinstunternehmen erbracht.
Wenig Investitionsbreitschaft
Sorge bereitet die Investitionstätigkeit. Nur 40 Prozent der Betriebe investierten 2025, 60 Prozent tätigten gar keine Investitionen. Die Investitionen lagen im Durchschnitt bei 4,5 Prozent des Umsatzes und sind seit 2021 rückläufig. Auch Forschung und Entwicklung bleibt mit 0,7 Prozent des Umsatzes überschaubar. Für eine Branche, die stark von Digitalisierung, Automatisierung, KI und neuen Geschäftsmodellen geprägt ist, ist das ein wichtiger Warnhinweis.
Für 2026 zeigen sich die Unternehmen dennoch optimistisch. Erwartet wird ein nominelles Umsatzwachstum von 5,3 Prozent. Bei geplanten Preissteigerungen von 2,5 Prozent würde real ein Plus von 2,8 Prozent bleiben. Auch Investitionen und Beschäftigung sollen steigen. 23 Prozent der Betriebe planen zusätzliche Mitarbeitende, 73 Prozent wollen ihren Personalstand halten. Ob diese Pläne angesichts des Fachkräftemangels realisierbar sind, bleibt offen.
Steuern Abgaben und schwache Kundennachfrage
Die größten Bremsklötze sind bekannt: 68 Prozent nennen Steuern und Abgaben als große Herausforderung, jeweils 62 Prozent schwache Kundennachfrage sowie Bürokratie und Verwaltung. Dahinter folgen Wettbewerbsintensität, Arbeitskosten, digitale Transformation, Zahlungsverzögerungen und Cybersicherheit. Bei Arbeitgeberbetrieben wiegen Arbeitskosten und Fachkräftemangel noch schwerer.
Exporte der Gesamtsparte nach Fachverbänden 2025
Der Anteil der Exporterlöse am Gesamtumsatz machte im Jahr 2025 durchschnittlich 12,1 % aus und schwankte damit in den letzten Jahren um etwa 12 %. Der Großteil der Exporterlöse im Jahr 2025 entfiel auf die EU-27 (Exportquote: 9,8 %). Die Exportquote für Großbritannien betrug 1,9 %, für das restliche Ausland lediglich 0,4 %. Die Exportleistung ist auf relativ wenige Betriebe zurückzuführen. 9 % der Betriebe realisierten zwischen 20 % und 50 % ihres Umsatzes mit Exporten und 14 % der Betriebe wiesen eine Exportquote von 50 % und mehr aus.
Für österreichische KMU ist die Studie ein klares Signal: Information und Consulting bleibt ein Wachstumsfeld, aber kein Selbstläufer. Wer in Beratung, IT, Werbung, Technik oder wissensintensiven Dienstleistungen tätig ist, muss stärker denn je Produktivität, Spezialisierung und Innovationsfähigkeit im Blick behalten. Die Branche wächst – doch sie wächst unter Druck. Genau darin liegt die eigentliche Botschaft des Konjunkturberichts.
Quelle: KMU-Forschung – Sparte Information und Consulting Konjunkturbericht 2026
Bildnachweis: ©Statistik – KMU Forschung, Titelbild unter Mithilfe von KI gestaltet





