Betrachtung: Manager als Politiker – Warum das oft nicht funktioniert!
Wir kennen das alle, mehr oder weniger erfolgreiche Unternehmer, CEO und sonstige Spitzenmanager sprechen Empfehlungen gegenüber der Politik aus. Andere gehen gleich in die Politik. Der derzeit laut Umfragen höchst unbeliebte deutsche Kanzler Friedrich Merz ist ein gutes Beispiel dafür.
Bayer-CEO Bill Anderson als gutes Beispiel
Doch warum sind Wirtschaftskapitäne oft so fehl am Platz in der Politik? Ein erhellendes Interview dazu ist mir vor kurzem ins Auge gesprungen. CEO Bill Anderson, Chef von 87.000 Menschen im Bayer Konzern, hat in einem Interview Tipps gegeben, wie Herr Merz wohl seiner Meinung nach agieren sollte. Als Beispiel zeigt er auf, wie er 19.000 Managementpositionen auf 5.000 reduziert hat.
Er spricht von Mission, seinem Verhältnis zu den Arbeitenden, über Bürokratie und Mitbestimmung und so weiter. Dann stellt er eine rhetorische Frage: „Wenn zehn Menschen zehn völlig verschiedene Vorstellungen davon haben, wie die Welt aussehen soll – wie soll man da regieren?“
Demokratie ist keine schlecht geführte Firma
Und hier wurde mir klar, wo die Diskrepanz liegt: Demokratie ist keine schlecht geführte Firma! Sie muss Widerspruch, Minderheiten, Interessen und Langsamkeit aushalten. Aber sie darf dabei auch nicht so träge werden, dass sie ihre eigene Handlungsfähigkeit verliert.
Was Unternehmen brauchen
Unternehmen brauchen Klarheit, Geschwindigkeit und Führung. Das sind Dinge, die sich oft nur über klare Hierarchien durchsetzen lassen. Und da passt auch das Beispiel von Anderson ins Bild, der die Managementpositionen radikal zurückgestutzt hat. Denn auch in einem Unternehmen verhindert Bürokratie den Erfolg. Aber Bürger:innen sind nun mal keine Arbeiternehmer:innen beim Staat. Und da beginnt der ganz große Unterschied.
Was eine Demokratie braucht
Demokratien brauchen Legitimation, Streit und Kompromiss. Hier geht es nicht um die Mission, die sich in einem Leitbild kurz und knackig ausdrücken lässt. Demokratie ist langsam, ist das Bohren oft ganz dicker Bretter – wenn sie Menschen wirklich ernst nimmt.
Gefährlich wird es aber dann, wenn aus Bedächtigkeit und Überlegtheit Stillstand wird. Hier ist wie in Unternehmen auch, Führungsqualität ein entscheidender Faktor. Schaut man sich Friedrich Merz mit österreichischen Augen an, dann wird schnell klar woran er scheitert. Seine vom Volk gewählten Mitsteiter:innen auf den unterscheidlichen Ebenen der Macht sind eben keine Dovisions- und Abteilungsleiter, das sind Menschen, die sich bei ihren Wähler:innen immer wieder legitimieren müssen.
Hier hat Anderson aber Recht
Wenn Demokratien nur noch blockieren – aus welchen Gründen auch immer, verlieren sie das Vertrauen der Menschen in das System. Dann wünschen sich Menschen ein System, das einfacher, freier und direkter entscheidet. Und genau an dieser Stelle entsteht der Raum für autoritäre Versprechen.
Der blinde Fleck
Aber Demokratie ist nicht dazu da, Managementlogik zu kopieren, das kann sie gar nicht, weil eben alle Bürger regelmäßig mit ihrer Stimme entscheiden. Ein Unternehmen setzt die Aufträge von Eigentümern oder Aktionären um, es geht immer um Profit. Ein Staat ist kein Unternehmen, er ist viel komplexer, vielschichtiger und Macht ist in einer Demokratie auf drei Säulen verteilt. Und jeder kann seine Meinung frei äußern.
Die Stärke von Demokratie ist nicht Effizienz und Schnelligkeit, auf die sie gerne von Managern reduziert wird. Sondern Demokratie legitimierte Entscheidung, die zum Teil über lange Zeiträume wirksam sind und Kompromisse bedürfen, die in einem Unternehmen kaum zu schließen wären.Die Frage ist letztlich nicht, ob Demokratie so schnell wie ein Unternehmen werden muss. Die Frage ist, wie sie entscheidungsfähig bleibt, ohne ihren demokratischen Charakter zu verlieren.




