Spannende Zielgruppen – Teil 1: Wer gibt wofür Geld aus?
Wo finden Tourismus und Handel die besten Targets?
Welche Kunden passen zum eigenen Angebot? Neue Konsumdaten liefern österreichischen KMU hilfreiche Anhaltspunkte. Entscheidend ist, die Ausgaben für einzelne Bereiche zu betrachten und daraus passende Angebote zu entwickeln.
Ein Hotel sucht Gäste, die gerne verreisen. Ein Sportgeschäft braucht Menschen, die für ihre Freizeit Geld ausgeben. Ein Restaurant möchte Besucher gewinnen, für die Essen außer Haus zum Alltag gehört. Die Frage nach attraktiven Zielgruppen beginnt deshalb beim konkreten Angebot: Wer gibt in diesem Bereich Geld aus?
Die österreichische Konsumerhebung und ergänzende Befragungen zeigen Unterschiede zwischen Lebensphasen und Generationen. Für Betriebe sind diese Ergebnisse eine Orientierung. Welche Kunden tatsächlich Gewinn bringen, entscheidet sich zusätzlich an Preisen, Betreuungskosten und Wiederkäufen.
Generation X: ein interessantes Segment für Reiseangebote
Für Tourismusbetriebe lohnt sich ein Blick auf die Generation X, also die zwischen 1966 und 1980 Geborenen. In der Konsumstudie 2026 von marketmind für Bankenverband und BAWAG weist diese Gruppe mit durchschnittlich rund 2.934 Euro jährlich die höchsten Urlaubsausgaben der untersuchten Generationen auf. Quelle: Konsumstudie 2026
Daraus lässt sich ein Ansatz für die Angebotsentwicklung ableiten: Hotels, Pensionen und Freizeitbetriebe könnten unterschiedliche Reiseanlässe für diese Altersgruppe testen – etwa einen Aufenthalt mit regionaler Kulinarik, ein Wanderwochenende oder eine kurze Auszeit.
Die Studie sagt allerdings nicht, welche dieser Angebote bevorzugt werden. Ein Betrieb sollte deshalb seine eigenen Buchungen auswerten: Welche Leistungen werden zusätzlich gekauft? Welche Gäste kommen wieder? Bei welchen Angeboten bleibt nach allen Kosten ein guter Ertrag?
Millennials: Urlaub, Gastronomie und Mode zusammen denken
Die zwischen 1981 und 1995 geborenen Millennials nennen in derselben Befragung durchschnittliche Jahresausgaben von rund 2.422 Euro für Urlaub, 2.128 Euro für Gastronomie und 1.030 Euro für Kleidung. Das macht sie für mehrere Branchen interessant. Quelle: Konsumstudie 2026
Für KMU bietet sich hier eine praktische Idee an: Betriebe können Angebote verbinden. Ein Hotel kooperiert mit einem Restaurant und einem lokalen Geschäft. Gäste erhalten einen Aufenthalt mit konkreten Tipps, reservierbaren Leistungen und kurzen Wegen.
Ob daraus zusätzliche Nachfrage entsteht, muss die Kooperation zeigen. Sinnvoll sind überschaubare Versuche mit klarer Erfolgsmessung: Wie viele Gäste nutzen das Angebot? Wie hoch ist ihr zusätzlicher Einkauf? Würden sie auch ohne Rabatt wiederkommen?
Junge Erwachsene: Gastronomie als Ansatzpunkt
Bei der Generation Z liegt Gastronomie in der Konsumstudie vor Urlaub: Rund 1.991 Euro jährlich entfallen auf Gastronomie und Ausgehen, etwa 1.523 Euro auf Reisen. Quelle: Konsumstudie 2026
Für Restaurants, Cafés und Ausflugsbetriebe kann diese Gruppe deshalb interessant sein. Denkbare Angebote sind gemeinsame Essen, Veranstaltungen oder kleine Erlebnisse mit nachvollziehbarem Gesamtpreis. Das sind Vorschläge für betriebliche Tests; eine Vorliebe für bestimmte Veranstaltungsformen lässt sich aus den Ausgaben allein nicht ablesen.
Menschen um die 60 und Freizeitkunden in der Lebensmitte
Die amtliche Konsumerhebung ergänzt die Generationenbefragung. Haushalte mit einer hauptverdienenden Person zwischen 60 und 64 Jahren haben mit durchschnittlich 3.120 Euro monatlich die höchsten nach Haushaltsgröße gewichteten Ausgaben. Für Freizeit, Sport und Kultur liegen dagegen Haushalte mit einer hauptverdienenden Person zwischen 40 und 44 Jahren bei den gesamten Haushaltsausgaben vorne: rund 634 Euro monatlich. Quelle: Statistik Austria, Kurzbericht 2
Beide Gruppen verdienen einen genaueren Blick. Die Werte belegen jedoch weder ein frei verfügbares Urlaubsbudget noch eine bestimmte Kaufabsicht. Gerade bei Familien verteilt sich das Haushaltsbudget auf mehrere Menschen.
Alleinlebende als eigenständige Zielgruppe
Österreich zählt rund 1,6 Millionen Einpersonenhaushalte. Diese Gruppe ist groß und vielfältig. Alleinlebende Frauen unter 35 geben beispielsweise durchschnittlich 359 Euro monatlich für Freizeit, Sport und Kultur aus, Männer derselben Altersgruppe 228 Euro. Quelle: Statistik Austria, Kurzbericht 3
Für Tourismusbetriebe ist das ein Anlass, die eigenen Angebote zu prüfen: Lassen sie sich auch von einer einzelnen Person unkompliziert buchen? Sind Preise verständlich? Gibt es Aktivitäten, an denen Einzelpersonen teilnehmen können? Allein zu wohnen bedeutet allerdings nicht automatisch, allein zu reisen.
Eine attraktive Zielgruppe entsteht dort, wo Ausgabeninteresse und Angebot zusammenpassen. Die Daten helfen bei der Auswahl. Ob die Verbindung wirtschaftlich funktioniert, zeigen die eigenen Kunden.




