Kommentar: Der Österreichische Ruf – der nach einer Förderung
Vor kurzem erreichte die Redaktion ein E-Mail der Agentur Brutal Digital. Darin wird der Ruf nach Förderungen für KMU laut: „Der Druck, digital zu werden, war noch nie so hoch. Gleichzeitig sind die wichtigsten Fördertöpfe für die Digitalisierung ausgeschöpft, obwohl der Bedarf so groß ist wie nie. Kleine und mittlere Betriebe wollen mithalten, stehen aber vor verschlossener Tür. Und wenn die Betriebe nicht mitkommen, verliert Österreich als Standort den Anschluss an das digitale Zeitalter. Unsere Frage an Sie: Kennen Sie das Problem bereits und wie schätzen Sie es ein?“
Ja der Druck ist hoch, aber nicht unbedingt neu. Ich bin seit 1996 im Geschäft und der Druck, abhängig von der Branche, war und ist natürlich hoch. Also der Ruf, nicht von den Betroffenen, sondern von einem Dienstleister, der das Geld, so glaubt das Unternehmen zumindest, dann kassieren könnte.
Ergo Förderungen – wieder der klassische österreichische Weg
Wir wissen im Grunde nicht weiter also brauchen wir Förderungen – Punkt. Meine ganz persönliche Meinung, die auch gerne kontroversiell diskutiere: Wer für Unternehmen gute Lösungen und Dienstleistungen anbietet, der wird sich am Markt durchsetzen. Förderungen sind dann gut, wenn es keinen Markt gibt. Beim Thema Digitalisierung scheint mir das eher nicht der Fall zu sein.
Vielleicht liegt es aber auch an der Einstellung in den Unternehmensführungen, an der Einstellung der Interessenvertretungen und der zuständigen Politiker:innen? Digitalisierung ist keine Einzeldisziplin, sondern eine Querschnittsmaterie, die man nur mehr ganzheitlich denken kann – so man erfolgreich sein will. Das es geht, zeigen viele Beispiele in Österreich – siehe mehr als 70 Folgen UNCRIPTED – Der Marketing Podcast.
KI ist schneller als jedes Gremium
Dazu kommt: Der technologische Fortschritt ist so schnell, dass, bis eine klassische Förderung durch die Gremien gereicht und beschlussfähig wird, diese schon meistens nicht mehr zielführend ist, weil die Rahmenbedingungen schon andere sind. Es fehlt grundsätzlich an einer gesamtheitlichen Strategie zum Thema Digitalisierung – nicht nur in der Politik, dort besonders, sondern auch in vielen Unternehmen. Diese Materie kann man nicht mehr einfach der IT überlassen.
Dicke Bretter bohren
Wir blicken alle gerne gebannt nach China, begreifen aber offenbar deren Strategie viel zu wenig, die da lautet: Wir müssen uns Felder suchen, in den wir in der Digitalisierung noch Maßstäbe setzen können und nicht mit der Gießkanne die Fläche bewässern. Und wir müssen dabei endlich langfristig denken. Das passiert ab und zu auch in Österreich, aber es gibt zu wenige Beispiele. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit hat ein Kanzler vom „Verbrennerland“ gesprochen. Vielleicht hat er damit die Sonne in Dürresommern gemeint, die alles verdorrt und verbrennt? Ganz bestimmt nicht den Markt, den ein Blick in die Zulassungsstatistik macht uns sicher. Der Verbrenner als Antriebtechnologie ist stark auf dem Rückzug.
Die Menschen endlich mitnehmen
Aber Digitalisierung im Zeitalter der im 6-Wochentakt wechselnden KI-Modelle, das geht nur als gesamtheitliche politische Anstrengung. Und vor allem eines kommt immer noch viel zu kurz – die Unternehmen müssen die Menschen mitnehmen und ihnen auch einmal was zutrauen. Klar die EU mit ihrer durchwegs schwammigen und mutlosen Gesetzgebung, trägt auch nicht gerade dazu bei.
Wichtig wäre es auch, die wenigen guten Experten zu halten und nicht weiter an Länder zu verlieren, die eine Plan haben. Dass es diese Experten gibt, zeigt eine aktuelle Studie. Ihnen muss ein Umfeld geboten werden, dass eine Multiplikation dieses Wissens zulässt, Neugier weckt und alle Generationen von Arbeitnehmer:innen einbindet.
Es ist daher sinnvoll gerade im Bereich der Weiterbildung punktgenau und direkt an die Betriebe heranzugehen. Einfach Geld auszuschütten ist wenig zielführend.




