Alexander Leeb: Wer nur ausführt, gerät unter Druck
Posted On 22. August 2026
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Alexander Leeb, Geschäftsführer | Gründer
Kanbuk e.U., Werbeagentur
Utendorfgasse 33
1140 Wien, Österreich
E-Mail: office@kanbuk.com
Internet: https://kanbuk.com
Warum wurden Sie Unternehmer?
Weil ich immer wieder gesehen habe, wie kleine Betriebe für Marketing viel Geld ausgeben und hinterher nicht sagen können, was es gebracht hat. Ich wollte das anders machen: verständlich erklären, ehrlich sagen, was jemand nicht braucht und am Ende zeigen können, was sich verändert hat. Dafür musste ich selbständig sein.
Beschreiben Sie bitte das Geschäftsmodell Ihres Unternehmens
Kanbuk ist eine Werbeagentur in Wien, die kleine Betriebe von der ersten Idee bis zur laufenden Betreuung begleitet. Vier Bereiche greifen ineinander: Webdesign, Grafikdesign, Online-Marketing und KI-Automatisierung.
Der Unterschied zu einer klassischen Agentur liegt im letzten Punkt. Ich baue nicht nur die Website, sondern auch die Abläufe dahinter. Terminbuchung, Anfragen, Angebote und Rechnungen laufen automatisiert, damit im Betrieb weniger Büroarbeit anfällt. Genau das brauchen Einpersonenunternehmen und Kleinbetriebe am dringendsten, weil dort niemand sitzt, der sich nur darum kümmert.
Meine Kundschaft sind Wiener Kleinbetriebe: Handwerk, Gastronomie, Ordinationen, Coaching, Vereine, Autohandel. Fast immer arbeite ich direkt mit der Inhaberin oder dem Inhaber, ohne Zwischenebene.
Beschreiben Sie bitte die Eckdaten Ihres Unternehmens (Anzahl MitarbeiterInnen, Standorte, Jahresumsatz, Jahr der Unternehmensgründung, Rechtsform etc.)
Rechtsform: eingetragenes Einzelunternehmen (e.U.)
Gründung: 2021
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: keine, Einpersonenunternehmen
Standort: Wien, tätig in ganz Österreich
Gewerbe: Werbeagentur, GISA-Zahl 35463115
Seit wann betreiben Sie dieses Geschäft?
Seit 2021. Mit künstlicher Intelligenz arbeite ich seit vier Jahren, also seit dem ersten Tag.
Wer sind Ihre MitbewerberInnen? Was machen Sie anders als Ihre MitbewerberInnen?
Mitbewerber sind die Wiener Werbe- und Digitalagenturen, von der Einzelperson bis zum Haus mit zwanzig Angestellten.
Drei Dinge mache ich anders. Erstens gibt es keine Zwischenebene: Wer anruft, spricht mit mir, und ich mache den größten Teil der Arbeit persönlich. Zweitens sage ich, was jemand nicht braucht. Wer mit einem gepflegten Google-Unternehmensprofil und drei sauberen Fotos besser fährt als mit einer neuen Website, bekommt das gesagt, auch wenn das der kleinere Auftrag ist. Drittens zeige ich Zahlen statt Adjektive.
Drei Beispiele aus laufenden Betreuungen:
Ein Nagelstudio hat 46 neue Stammkundinnen im ersten Monat nach Gründung gewinnen können.
Eine Wiener Pizzeria bekommt pro Monat 480 Anrufe und Bestellungen mehr, dazu 4.534 organische Klicks.
Ein neu gegründeter Autohandel kommt auf 277 monatliche Kundeninteraktionen über Google.
Wie schätzen Sie allgemein die Lage Ihrer Branche ein?
Die Branche verändert sich gerade schneller als in den zehn Jahren davor und der Grund ist künstliche Intelligenz.
Zwei Dinge passieren gleichzeitig. Handwerkliche Leistungen, die früher Tage gekostet haben, sind heute in Stunden erledigt. Wer nur ausführt, gerät unter Druck. Gleichzeitig entsteht neue Arbeit: Betriebe wollen KI einsetzen und wissen nicht, wo sie anfangen sollen.
Für Kleinbetriebe halte ich die Lage für besser als je zuvor. Werkzeuge, die vor fünf Jahren einem Konzernbudget vorbehalten waren, kosten heute wenig. Was fehlt, ist jemand, der sie zusammensetzt.
Ein zweiter Punkt betrifft die Suche selbst. Menschen fragen zunehmend Sprachassistenten und ChatGPT statt Google. Wer dort nicht vorkommt, verliert Anfragen, ohne es zu merken. Das beschäftigt mich derzeit am meisten.
Betreiben Sie noch andere Unternehmen?
Nein.
Würden Sie (nochmals) gründen was würden Sie anders machen?
Ja, wieder. Anders machen würde ich zwei Dinge. Ich würde früher damit aufhören, alles anzubieten, was jemand fragt und mich schneller auf das festlegen, was ich wirklich gut kann. Dazu würde ich von Beginn an Resultate messen. In den ersten Jahren habe ich viel Arbeit geliefert und konnte hinterher nicht belegen, was sie gebracht hat. Heute steht am Anfang jedes Projekts die Frage, woran wir den Erfolg erkennen.
Welche Rollen spielen Nachhaltigkeit und erneuerbare Energie in ihrem Businessmodell?
Als reines Dienstleistungsunternehmen ohne Produktion ist mein direkter Verbrauch gering. Wo es etwas zu entscheiden gibt, entscheide ich bewusst. Websites, die ich baue, sind auf geringen Datenverbrauch ausgelegt, weil schnelle Seiten weniger Energie brauchen und gleichzeitig besser gefunden werden. Im Printbereich gilt: Ich rate von Drucksorten ab, die niemand liest.
Seit August 2026 bin ich außerdem Unterzeichner der Charta der Vielfalt.
Welches Mobilitätskonzept haben Sie und Ihre MitarbeiterInnen?
Termine in Wien erledige ich mit den Öffentlichen oder im Grätzel auch zu Fuß. Vieles läuft ohnehin per Videogespräch, was Fahrten erspart.
Gibt es noch etwas dass Sie über sich und Ihr Unternehmen berichten möchten?
Zwei Dinge, die mir wichtig sind.
Ich sage Anfragen ab. Wenn ich bei einem Betrieb nicht sehe, wo ich etwas bewirken kann, sage ich das lieber im ersten Gespräch als nach drei Monaten. Das kostet Aufträge und erspart beiden Seiten Ärger. Der zweite Punkt ist die Ehrlichkeit bei Zahlen. In dieser Branche wird viel behauptet und wenig belegt. Bei mir steht am Anfang jedes Projekts die Frage, woran wir in sechs Monaten erkennen, ob es funktioniert hat. Manchmal lautet die ehrliche Antwort danach, dass eine Maßnahme nichts gebracht hat. Auch das sage ich.
Beschreiben Sie sich als Person bitte mit sieben Eigenschaftswörtern
ehrlich · neugierig · gründlich · geduldig · direkt · verlässlich · hartnäckig
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