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Die Bundespräsidentenwahl: Frauenpolitik

© 3D Grafik: www.corporate-interaction.com, Bild Hofer: FPÖ, Bild van der Bellen: Wolfgang Zajc
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FPÖ oder Grüne? – Teil 5

Frauen verdienen weniger, sind häufiger in prekären Arbeitsverhältnissen angestellt und dringen seltener in Führungspositionen vor als Männer. Diese und weitere Benachteiligungen werden einer Studie zufolge in 170 Jahren kein Thema mehr sein. Entwickelt sich die Beseitigung der Benachteiligungen von Frauen im jetzigen Tempo weiter, so wird die wirtschaftliche Gleichstellung von Frau und Mann im Jahr 2186 erreicht sein.

Soll die Gleichstellung noch in diesem Jahrhundert erreicht werden, braucht es politische Reformen. Welche könnte es geben, sollten FPÖ oder Grüne demnächst mitzureden haben?

Frauenanteil der Parlamentsfraktionen

Sehen wir uns den Frauenanteil der Parteien im Parlament an, vermittelt das bereits einen Eindruck davon, in welcher Partei Frauen wieviel zu sagen haben. Während 12 der 24 grünen Mandatare Frauen sind, kommt die FPÖ auf einen Anteil von rund 18%. Nur die NEOS unterbieten diese Quote noch. So unterschiedlich der Frauenanteil von Grünen und FPÖ im Parlament ist, so unterschiedlich ist auch deren Position zu Quoten in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst.

Selbstbewusstsein statt Quote

So lautet die Überschrift im Handbuch freiheitlicher Politik zum Kapitel, das sich mit Quoten auseinandersetzt. Quoten werden abgelehnt, denn „Frauen werden dadurch als unfähig dargestellt“. Wenn Frauen stark auftreten, werden sie sich über kurz oder lang auch durchzusetzen lernen, so die Position der FPÖ.

FPÖ-Argument ist falsch

In einem verwandten Bereich hat sich die Behauptung, Frauen müssten lediglich stärker auftreten, um fair behandelt zu werden, bereits als falsch herausgestellt. Eine Studie aus Australien hat erst heuer mit dem Gerücht aufgeräumt, dass Frauen weniger als Männer verdienen, weil es ihnen zum Beispiel bei Gehaltsverhandlungen an Durchsetzungskraft fehle. Das Ergebnis: Die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen sind reine Diskriminierung. Ergo ist auch nicht davon auszugehen, dass Frauen nur deshalb seltener in Führungspositionen vordringen, weil sie nicht stark genug auftreten.

Grüne wollen Frauenquoten von 50%

Die Grünen drängen auf Frauenquoten sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft. Parteien sollen weniger Parteienförderungen erhalten, wenn sie im Nationalrat den Frauenanteil der Gesamtbevölkerung nicht wiederspiegeln. Zudem soll eine Frauenquote von 50% in Aufsichtsräten und Vorständen börsennotierter Unternehmen eingeführt werden.

Aufwertung von frauendominierten Berufen

Dass Männer kaum im Bereich der Pflege oder Kinderbetreuung arbeiten, ist kein Naturgesetz. Dies ist in Österreich so. In anderen Ländern Europas ist der Männeranteil höher. Um diese Branchen attraktiver zu gestalten, fordern die Grünen einen Mindestlohn von 1.700 Euro brutto. Auch im Bereich der EPU gibt es große Differenzen zwischen den Einkommen von Männern und Frauen. Zudem arbeiten viele weibliche EPU in Bereich der Pflege – wie der 24-Stunden-Betreuung – und sind damit scheinselbständig. Um Härtefälle zu vermeiden, sollen EPU entlastet werden.

Kinderbetreuung und Karriere – für Männer und Frauen

Der Zugang zu Frauenpolitik könnte bei FPÖ und Grünen gar nicht unterschiedlicher sein. Die Grünen wollen klassische Frauenberufe durch staatliche Eingriffe attraktiver gestalten und weg von der klassischen Rollenverteilung von Mann und Frau. Die grüne Vision: Beide Elternteile übernehmen den gleichen Anteil an der Kinderbetreuung. Es solle beiden Elternteilen Teilzeitarbeit ermöglicht werden, um so den Spagat zwischen Kinderbetreuung und Karriere zu schaffen.

FPÖ für traditionelle Geschlechterrollen

Die Frau sei das Fundament der Familie. Dass Väter zunehmend in der Kindererziehung mitwirken wollen, sei zwar zu begrüßen, doch wer den Löwenanteil übernehmen soll, stellt die FPÖ klar: Die Frau. Schließlich dürfe es „nicht zu einer Unterdrückung der Geschlechterrollen kommen“, heißt es im Handbuch freiheitlicher Politik.

Teilzeit bremst die Karriere – in Österreich

Die Teilzeitarbeitslosenquote ist in Österreich eine der höchsten in der EU. Fast jede zweite erwerbstätige Frau ist teilzeitbeschäftigt. Hierzulande gilt Teilzeit als Karrierekiller und Garant für die spätere Mindestpension. Dass es auch anders geht, zeigen die Niederlande. Nirgendwo ist Teilzeitarbeit so verbreitet und hoch angesehen wie dort. In den Niederlanden ist Teilzeitarbeit kein Stolperstein für die Karriere, sondern etwas, das sogar Führungskräfte betreiben.

Frauen die Kindererziehung ermöglichen

Die FPÖ möchte Frauen dabei unterstützen, ihrem klassischen Rollenbild gerecht zu werden. Die Frauenerwerbsquote sei gar nicht so niedrig, wie ständig behauptet wird. Anstatt in Kinderbetreuungseinrichtungen zu investieren, sollten Frauen dazu ermutigt werden, bei ihrem Kind daheim zu bleiben.

Gegen Binnen-I und skeptisch gegenüber Abtreibung

Die FPÖ spricht sich gegen die „Gleichstellung der Geschlechter auf allen gesellschaftlichen Ebenen“ aus. Was die Biologie geschaffen hat, solle der Mensch nicht ändern. Das Binnen-I sei für Frauen schädlich, da es Sexismus hervorrufe. Zudem warnt die FPÖ in ihrem Programm eindringlich vor den möglichen psychischen und physischen Erkrankungen in Folge eines Schwangerschaftsabbruches.

Konträre Gesellschaftsbilder

FPÖ und Grüne fordern nicht nur völlig konträre Frauenpolitiken. Auch deren Gesellschaftsbilder stehen zueinander wie Tag und Nacht. Während die Grünen Kinder- und andere Betreuungsaufgaben und Karriere auf beide Geschlechter gleich verteilen wollen, will die FPÖ bewahren, was ist und fordert gar Vergangenes zurück, was schon lange nicht mehr ist.

 

Weitere Artikel zum Thema Bundespräsidentenwahl:

Die Bundespräsidentenwahl – Hintergründe: Umweltpolitik – Teil 4

Hintergründe zur Bundespräsidentenwahl – Blau oder Grün: Steuerpläne und Sozialstaat – Teil 3

Die Bundespräsidentenwahl: Wirtschaftspolitische Aspekte – Teil 2

Die Bundespräsidentenwahl: FPÖ oder Grüne? – Teil 1

 

Quellen:

Grundsatzprogramm der Grünen

Grüner Frauenbericht 2016

https://www.fpoe.at/fileadmin/user_upload/www.fpoe.at/dokumente/2015/Handbuch_freiheitlicher_Politik_WEB.pdf

https://www.parlament.gv.at/SERV/STAT/PERSSTAT/FRAUENANTEIL/frauenanteil_NR.shtml

http://www2.warwick.ac.uk/fac/soc/economics/research/workingpapers/2016/twerp_1127_oswald.pdf

Author: Benjamin Kloiber

Ich heiße Benjamin Kloiber und studiere Politik und Wirtschaft. Unternehmerweb ist eine Plattform, die Einzel- und Kleinunternehmer mit Infos bedient, vernetzt und auch mit ihnen interagiert. Anders ausgedrückt: Unternehmerweb ist schon lange nötig. Recherchieren, vernetzen und informieren sind Dinge, die mir liegen. Damit möchte ich Unternehmerweb unterstützen.

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