Sozialversicherung für neue Selbstständige

Wie schaut es aus mit der Sozialversicherung für neue Selbstständige? Über die Höhe der Pflichtbeiträge und die Grenze, ab wann man diese zahlen muss.

 Was ist ein neuer Selbstständiger?

Kurz: Jemand, der selbstständig Einkünfte erzielt und keinen Gewerbeschein hat. 1997 wurden jene erwerbstätigen Personen, die bisher nicht vom Sozialversicherungsgesetz erfasst waren, zu neuen Selbstständigen erklärt. Sie sind nicht im Arbeitsrecht erwähnt und haben keine Interessenvertretung. Ihre Zahl wird auf rund 40.000 geschätzt.

Wer zählt konkret zu den neuen Selbstständigen?

Personen, die selbstständig aber keine Mitglieder der Wirtschaftskammer sind. Darunter fallen Autoren, Journalisten, Psychotherapeuten, selbstständige Pfleger und viele weitere. Neue Selbstständige verwenden vorrangig eigene Betriebsmittel. Auch Gesellschafter von Personengesellschaften können darunter fallen, wenn sie nicht nach dem ASVG pflichtversichert sind.

Neue Selbstständige sind pflichtversichert

Ab dem Tag ihrer selbstständigen Tätigkeit bis zum Tag der Beendigung derselben sind neue Selbstständige pflichtversichert. Es besteht eine Meldepflicht von Seiten des Selbstständigen. Kommt er dieser binnen eines Monats nicht nach, ist ein Zuschlag auf den ursprünglichen Beitrag möglich.

Wie hoch sind die Beiträge?

Die Beiträge sind in den letzten Jahren gestiegen. 2011 lagen die monatlichen Beiträge zwischen 110 und 1.300 Euro. Die Bemessungsgrundlage war mindestens 375 und höchstens 4.900 Euro. Der Beitragssatz lag bei 26,88% der Beitragsgrundlage. 2014 beträgt dieser Beitragssatz 27,88%. Die Beiträge liegen zwischen 120 und 1.470 Euro. Die Bemessungsgrundlage liegt zwischen knapp 400 und 5.285 Euro im Monat.

Unter der Bemessungsgrundlage: keine Sozialabgaben

Wer unter der jährlichen Bemessungsgrundlage liegt, muss keine Beiträge zur Sozialversicherung zahlen. Es gibt jedoch zwei Untergrenzen. Wer ausschließlich als neuer Selbstständiger tätig ist, für den gilt eine jährliche Freibetragsgrenze von 6.450 Euro. Wer zusätzliche Einkünfte hat, für den gilt eine Grenze von rund 4.750 Euro im Jahr. Bezieher von Pension, Wochengeld, Karenzgeld oder Kinderbetreuungsgeld müssen die untere Grenze beachten. Wer mehr einnimmt, ist beitragspflichtig.

Gibt es Ausnahmen?

Bloß eine – und die wird im Laufe der Zeit zunehmend irrelevant. Personen, die am 1. Jänner 1998 bereits 55 Jahre oder älter waren und als neue Selbstständige werken, sind nicht versicherungspflichtig.

Arbeitslosenversicherung für Selbstständige

Seit 2009 können neue Selbstständige, wenn sie wollen, in die Arbeitslosenversicherung einbezogen werden. Die monatliche Beitragshöhe kann gewählt werden: 80, 160 oder 240 Euro zahlt der Versicherte. Je nachdem, welchen monatlichen Beitrag man einzahlt, staffelt sich auch das tägliche Arbeitslosengeld. 21, 33 oder 46 Euro können bezogen werden. Für freie Selbstständige gilt, dass sie bei endgültiger Einstellung ihrer Tätigkeit Anspruch auf das Arbeitslosengeld haben.

Wer bereits Pension bezieht oder im pensionsfähigen Alter ist, kann die Arbeitslosenversicherung für Selbstständige nicht in Anspruch nehmen. Die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes hängt vom Alter und von der Versicherungszeit ab. Die Anspruchsdauer liegt zwischen 20 und 52 Wochen. Wer in den letzten 15 Jahren neun davon versichert war und über 50 Jahre alt ist, kann das Arbeitslosengeld bis zu 52 Wochen beziehen.

Resümee

Die Fragen, die sich zur Sozialversicherung stellen, sind also: Bin ich neuer Selbstständiger? Liegen meine Einkünfte über der Freibetragsgrenze? Möchte ich die Arbeitslosenversicherung?

 

Quellen:

https://www.wko.at/Content.Node/Service/Arbeitsrecht-und-Sozialrecht/Sozialversicherung/Sozialversicherung-fuer-selbststaendig-Erwerbstaetige/Neue_Selbstaendige.html

http://www.arbeiterkammer.at/beratung/steuerundeinkommen/freiedienstnehmerinnen/beschaeftigungsformen/Bin_ich_neuer_Selbststaendiger.html

http://www.sozialversicherung.at/portal27/portal/esvportal/content/contentWindow?contentid=10007.683844&action=2

https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/207/Seite.2070007.html#Versicherung

http://derstandard.at/1322531502332/EPU-Sozialversicherung-bedraengt-Neue-Selbststaendige

http://www.jusline.at/index.php?cpid=ba688068a8c8a95352ed951ddb88783e&lawid=239&paid=2

http://www.szabo.at/fileadmin/Szabo-Daten/Downloads/Tools_Stb/GSVG_2011_neue_Selbst%C3%A4ndige.pdf

http://www.szabo.at/fileadmin/Szabo-Daten/Downloads/Tools_Stb/GSVG_2014_Neue_Selbststaendige.PDF

http://esv-sva.sozvers.at/portal27/portal/svaportal/content/contentWindow?contentid=10007.713911&action=2

https://www.wko.at/Content.Node/Service/Arbeitsrecht-und-Sozialrecht/Sozialversicherung/Arbeitslosenversicherung/Anspruchsdauer_und_Hoehe_des_Arbeitslosengeldes.html

 

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Author: Benjamin Kloiber

Ich heiße Benjamin Kloiber und studiere Politik und Wirtschaft. Unternehmerweb ist eine Plattform, die Einzel- und Kleinunternehmer mit Infos bedient, vernetzt und auch mit ihnen interagiert. Anders ausgedrückt: Unternehmerweb ist schon lange nötig. Recherchieren, vernetzen und informieren sind Dinge, die mir liegen. Damit möchte ich Unternehmerweb unterstützen.

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6 Kommentare

  1. Ein bis zu einem Jahr Arbeitslosengeld ist ja nicht schlecht. So wäre man erstmal abgesichert. Dann würde mich interessieren, ob man da jederzeit eintreten kann oder muss man gleich von Anfang an in die Arbeitslosenversicherung einzahlen?

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    • Hallo Matthias!

      Die Arbeitslosenversicherung ist dieselbe, die auch Arbeitsnehmern zusteht. Deshalb gelten prinzipiell auch dieselben Regeln. Dazu muss also eine Anwartschaft auf Arbeitslosengeld erworben werden. Das sieht dann so aus (Zitat der SVA Webseite von heute 15.07.2014):

      Um Arbeitslosengeld beziehen zu können, müssen die erforderlichen Anwartschaftszeiten bei der Antragstellung beim AMS (Arbeitsmarktservice) vorliegen.

      Wird das Arbeitslosengeld zum ersten Mal in Anspruch genommen, müssen in den letzten 24 Monaten (= Rahmenfrist) vor Geltendmachung insgesamt mindestens 52 Wochen arbeitslosenversicherungspflichtige Beschäftigung vorliegen. Danach genügen für weitere Inanspruchnahmen des Arbeitslosengeldes 28 Wochen Arbeitslosenversicherung innerhalb der letzten 12 Monate (= Rahmenfrist). Für Personen unter 25 Jahren gibt es günstigere Sonderregelungen.

      Nimmt man das Arbeitslosengeld nicht bis zur Höchstdauer (20 bis 52 Wochen) in Anspruch, kann der Fortbezug für die restliche Bezugsdauer gewährt werden, wenn – mit Ausnahme der Erfüllung der Anwartschaft – wieder alle Anspruchsvoraussetzungen vorliegen und der Fortbezug innerhalb von 5 Jahren ab dem letzten Bezugstag beantragt wird.

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    • Wer heute in eine Notlage gerät, hat ja die Möglichkeit, Mindestsicherung zu beziehen. Wer soll dann neben den SVA-Beiträgen noch zusätzliche Kosten auf sich nehmen, um arbeitslosenversichert zu sein?

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  2. Wenn man sich in einer Anstellung befindet, kann ich nur dringend davon abraten sich „nebenbei“ als „neuer Selbständiger“ zu melden. Nehmt euch bitte einen Gewerbeschein!
    Ich war bis Juni 2013 in einer fixen Anstellung und habe von Jänner – März 2013 als „neue Selbständige“ nebenbei in einem Projekt gearbeitet. Als mein Angestelltenverhältnis wegen Insolvenz der Firma im Juni 2013 aufgelöst wurde habe ich mich natürlich arbeitslos gemeldet. Seit September 2013 arbeite ich wieder in einer fixen Anstellung.
    Da man sich als neuer Selbständiger nicht „abmelden“ bzw. seine Tätigkeit zurück legen kann sondern die Einkünfte auf das ganze Jahr hochgerechnet werden, durfte ich nun das Arbeitslosengeld zurückzahlen.
    Schlussrechnung:
    Einkünfte: 4.985,-
    SVA Gebühren: -1.400,-
    Rückzahlung AMS: – 3.450,-
    GEWINN: 135,-

    Wo bitte ist das ein „faires“ System? Es wurde nachweislich von April 2013 bis Dezember 2013 keiner selbständigen Tätikeit nachgegangen und trotzdem zahlt man für das ganze Jahr SVA Gebühren und hat keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld aus dem Angestelltenverhältnis. Und wie oben ja angemerkt: Interessensvertretung gibt es auch keine…

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    • Sehr geehrte Frau Theresia!

      Vielen Dank für den hilfreichen Kommentar. Der Status des Neuen Selbständigen ist aus meiner Sicht ein schlechter Kompromiss vor allem für den Selbstständigen selber. Beim Neuen Selstständigen ist ein bescheidener Kompromiss geschaffen worden, um den vielen auf Werksvertragsbasis Arbeitenden ein gewisses Maß an sozialer Absicherung zu verschaffen und dabei die Arbeitgeber nicht zu sehr zu belasten. Wie für einen Kompromiss üblich gibt es aber viele Nachteile nicht nur für den Arbeitnehmer.
      Ich bin auch Ihrer Meinung, dass es in vielen Fällen besser ist sich über eine Gewerbe selbständig zu machen, als sich als Neuer Selbständiger zu verdingen, da man sein Gewerbe jederzeit ruhend melden kann. Das hat nicht nur Vorteile in Bezug auf das Arbeitslosengeld, sondern auch wenn man über eine bestimmte Zeit als Vollzeitangestellter arbeiten möchte.

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  3. Ich bin seit marz arbeitslos angemeldet
    Ab juli will ich selbständig mode geshäft öfnen hab ich noch möglickeit noch arbeitslosgeld zu bekommen wenn ich selbsständig bin

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