Roman Richter – Die Geschichte hinter Microloft

Wie kommt es eigentlich dazu, dass ich, Maria Prugger, über das Start Up Microloft berichte. Mein eigentliches Themenfeld ist sonst Werkzeuge > IT im Unternehmen.
 Mein Wille, mal über etwas anderes zu schreiben, war ausschlaggebend und ich bin die erste Mitarbeiterin von Microloft. Ich dachte mir, wenn ich schon so Nahe an der Quelle einer Unternehmensgründung bin, muss ich das nutzen und einen Artikel darüber schreiben. Ich werde erst eine kurze Unternehmenspräsentation machen und anschließend das Interview mit Roman Richter transkribieren.

Roman_Richter

© Bild: Microloft / Roman Richter

Microloft GmbH

Roman Richter

Kärntnerstraße 533/1 A-8054 Seiersberg

Mobil: +43 (0) 660 595 07 38

E -Mail: office@microloft.at

Website: www.microloft.at

 

Das Microloft

Roman Richter hat mit dem Microloft das weltweit erste und einzige mobile Haus aus Holz erfunden: es ist ein Holzriegelbau mit Niedrigenergiehausstandard, zusammenklappbar und mit nur einem LKW transportierbar, in wenigen Stunden bezugsfertig, leistbar und trotzdem ein vollwertiges Haus. Was nach Schlaraffenland klingt, kommt aus dem steirischen Murtal. Momentan gibt es 4 Modelle. Die mobilen Häuser eignen sich als fixe Bleibe, Zweitwohnsitze oder Ferienhäuser, auch als Büro oder für die Hotellerie sind sie ideal. Das ZweiRaumLoft und das EinRaumLoft (auf Wunsch mit Rotationskern) haben knapp 68m2 Wohnfläche. Das Minimilo verfügt über 45m2 und das Space (zusätzlicher Raum) startet bei 10m2. Produziert werden die Lofts bei einem österreichischen Unternehmen, bei Genböck in Haag.

Anlieferung_Microloft

Aufstellen_Microloft

 

Winter2_Microloft

Innenraum_Microloft

Beschreibe bitte die Eckdaten deines Unternehmens (Anzahl MitarbeiterInnen, Jahr der Unternehmensgründung, Rechtsform etc.)

Momentan habe ich eine Mitarbeiterin in einem geringfügigen Arbeitsverhältnis angestellt (Maria Prugger). Ab 1. August 2015 wird diese Anstellung in eine Vollzeitanstellung übergeführt. Der Unternehmenssitz ist in Seiersberg. Das Unternehmen wurde 2013 als Microloft GmbH gegründet.

Was war die ursprüngliche Motivation Microloft zu gründen?

Ich habe mich schon früh zur Selbständigkeit entschlossen. Microloft ist nicht mein erstes Unternehmen.
 Selbständig gemacht habe ich mich vor allem, weil ich ein Freigeist bin. Sobald ich etwas betrachte, denke ich über Verbesserungen nach und mache auch Vorschläge. Als Mitarbeiter eines Unternehmens wird man oft nicht ernst genommen. Die Ignoranz und Ablehnung gegen den Fortschritt hat mich dazu getrieben, selbst Chef zu werden. Wenn keiner auf mich hört, muss halt ich das Sagen haben (lacht).

Wie wurde die Idee Miroloft geboren?


In erster Linie weil ich selbst oft umgezogen bin. Das war jedes Mal ein Stress. Ich dachte mir, wie toll es wäre, wenn ich mein Haus mitnehmen könnte. Heute gibt’s ja vieles „to go“. Eine zweite Triebkraft war der Gedanke „leistbares Wohnen“ zu schaffen. Die Miet- bzw. Immobilienpreise sind teils exorbitant. 
Der dritte Grundgedanke rundet meine Idee ab. Mobile Häuser zu moderaten Preisen und das in Verbindung mit nachhaltigem Arbeiten.

Beschreibe das Geschäftsmodell deines Unternehmens?

(schmunzelt) Wir sind ein Start Up… Natürlich haben wir ein Geschäftsmodell. Wir sind ein Handelsunternehmen. Sicher haben wir Kundennutzen, die Architektur der Wertschöpfung und ein Ertragsmodell konzipiert. Kundennutzen ist klar die Mobilität, die kurze Lieferzeit, der Fixpreis ohne irgendwelche Abweichungen, vergessenen oder versteckten Kosten, die individuelle Gestaltungsmöglichkeit, die Upgrade Möglichkeit etc. 
Die Wertschöpfungskette ist schlank gehalten und das Ertragsmodell bescheiden. Hier haben wir sicher noch nicht unser Optimum erreicht.

Wer sind deine MitbewerberInnen? Was machst du anders als sie?

COMMOD Haus, McCube, nomadhome und wie sie alle auf http://tiny-houses.de/minihaus- modulhaus/anbieter-singlehaeuser/ zu finden sind.
Was machen wir anders: Nachhaltigkeit wird ernst genommen und ist nicht nur eine Marketingstrategie. Der Microloft Kreislauf spiegelt das wider. Für jedes produziert Microloft werden 18m3 (Ein- und ZweiRaumLoft) Holz verarbeitet. Das ergibt ca. sechs Bäume. Wir rechnen noch vier Bäume für die Transportemissionen dazu. Um CO2 neutral zu arbeiten pflanzen wir pro produziertem Microloft 10 Bäume nach.

Kreislauf

Wir sind auch ein bisschen altruistisch veranlagt. Aus diesem Grund haben wir mit „Microloft hilft“ (http://microloft.at/microloft-hilft/) das Charity-Paket ins Leben gerufen: Wohltäter haben die Möglichkeit einen beliebigen Betrag in das Charity-Paket einzubezahlen. Wenn die Produktionskosten für ein Microloft erreicht sind, wird dieses Bedürftigen zur Verfügung gestellt. Das Charity-Paket wird von einem Treuhänder verwaltet.

Bedürftige sind für uns alle Menschen, die akut Hilfe benötigen. Dazu zählen beispielsweise: Katastrophenopfer, Jungfamilien oder Alleinerziehende Mütter – natürlich auch Väter, Senioren, Menschen mit besonderen Bedürfnissen, Obdachlose und Flüchtlinge – einfach mal etwas Gutes tun, haben wir uns gedacht.

Was wir noch bieten ist quasi ein Baukastensystem, man kann sich das wie in der Automobilindustrie vorstellen. Wir verwenden für die Hauskonfiguration ein Tool, durch das alle Kundenwünsche, soweit möglich, umgesetzt werden. Die Standardausstattung ist vorgegeben und je nach Kundenbudget gibt es ein Up- oder Downgrade. Wir verarbeiten in der Standardvariante sehr hochwertige Materialien, die auch optische Hingucker sind. Hier besteht enormes Einsparungspotenzial. Der Vorteil ist, dass zu einem späteren Zeitpunkt immer erweitert werden kann. Die Voraussetzungen für unsere Pakete sind gegeben, so können auch nachträglich Erweiterungen durchgeführt werden.

Ein weiterer Unterschied ist wahrscheinlich die Finanzierung. Einige Mitbewerber haben sich Business Angels gesucht oder über Crowdfunding eine finanzielle Spritze geholt, ich habe alles aus eigener Tasche und Kraft auf die Beine gestellt.
Wir versuchen den Kunden das Wohngefühl in einem Microloft schon vorab zu zeigen und sie Probewohnen zu lassen. Unsere drei Microlofts befinden sich in der Gaal (Nähe Red Bull Ring) – Buchung: info@buero-zeltweg.at; Stichwort: Probewohnen.

Wie schätzt du allgemein die Lage der Branche ein?

Ich höre immer wieder, Microloft ist die Zukunft des Bauens. Dem würde ich klar zustimmen, natürlich spielt hier auch etwas Betriebsblindheit mit…
Generell denke ich, dass die Immobilienbranche gerad etwas zu Kämpfen hat. Ich verfolge natürlich die Branchenentwicklung. Die Insolvenzen von Bau- und Fertigteilhausunternehmen sind mir nicht entgangen. Wir versuchen dem entgegen zu wirken, indem wir für die Sicherheit der Kunden mit Treuhandkonto arbeiten. Ein Treuhänder verwahrt die Anzahlung des Kunden bis die Microlofts zu 100 Prozent fertiggestellt sind. Wir hoffen so den Kunden die Angst vor einer Firmenpleite zu nehmen. Alternativ können Verträge direkt mit unserem Produzenten abgeschlossen werden.

Betreibst du noch andere Unternehmen?

Ja, ein Einzelunternehmen – innoroomz. Hier geht es um innovative Wohnraumschaffung. Baumhäuser, Erdhäuser, zurück zur Natur, aber mit innovativen Ansätzen. Das Ziel ist ein Haus, das sich selbst erhält und noch mehr produziert als verbraucht wird.

Würdest du nochmal gründen? Was würdest du anders machen?

Ja, in jedem Fall! Ich würde jedoch versuchen, vor der Ideenumsetzung einen Großinvestor zu finden. Die ständigen Existenzängste sind doch sehr belastend.
 Ich war überzeugt, dass learning by doing der richtig Weg ist, heute würde ich vor der Gründung eine Ausbildung machen. Vielleicht hätte ich so einige Fehler vermeiden können.

Nutzt du die neuen Medien (Facebook, Twitter, Xing, Instagram etc.)? Wenn ja, wie genau?

Maria, das kannst du gerne selbst beantworten…
Gut, dann mach ich das. Wie eingangs erwähnt bin ich die erste Start Up Mitarbeiterin. Zu meinem Aufgabengebiet gehört neben Marketing, Webseitenbetreuung, Angebotserstellung, usw. auch die Betreuung der Sozialen Medien. Facebook nutzen wir natürlich mittels Unternehmens Seite (https://www.facebook.com/Microloft). Hier werden aktuelle Informationen gegeben und ein freundschaftlicher Kontakt mit InteressentInnen gehalten. Videos werden von YouTube verknüpft, Kataloge werden von Yumpu integriert, die Woobox dient zur Tab-Verwaltung, Fotos werden hochgeladen und Pressetexte geteilt.

Für die Nahe Zukunft sind die Implementation von Pinterest, Xing und Instagram geplant. Ich sehe die Sozialen Medien als mein Steckenpferd und weiß, dass wir hier noch Verbesserungspotenzial haben.

Welches Mobilitätskonzept haben Sie und Ihre MitarbeiterInnen?

Jetzt hast du mich erwischt (grinst). Mobilitätskonzept haben wir leider noch keines fixiert. Das Ziel ist hier jedoch klar, der Umstieg auf Elektromobilität. Sobald die Anschaffung für das Unternehmen budgetär möglich ist. Zur Zeit sind die Anschaffungskosten für ein junges Unternehmen noch zu hoch, leider…

Was waren die tollsten/ ermutigensten Erlebnisse, im Zuge der Microloft-Laufbahn?

Toll und ermutigend war ganz klar der Kauf eines Microlofts von Andreas Gabalier. Einen so bekannten Kunden nicht nur zu überzeugen sondern zu begeistern ist sehr ermutigend. Balsam sind auch die positiven Kundenfeedbacks, dass zeigt uns immer wieder, dass wir am Puls der Zeit sind und das beste Produkt haben!

Kundenzitat: „..der Loft mit den Fixpreisen und den Paketen zum Upgraden des Lofts (seh ich auch als Lebensstandardupgrade haha) das coolste was ich im Netz bisher gefunden habe.“

Du hast Microloft neben deinem Job gegründet. Wie hast du das neben der Berufstätigkeit geschafft?

Das ist eine gute Frage, da ich mir alles selbst finanziert habe, hab ich Arbeiten gehen müssen. Wie sich das ausgegangen ist, kann nicht mehr sagen. Ich war damals auf Montage in ganz Österreich unterwegs und habe Schrottpressen aufgebaut. Ja, das war sehr anstrengend.

Was denkst du als Kind der Generation Y von Work-Life-Balance?

Freizeit, Work-Life-Balance, was ist das? Die letzten fünf Jahre gab es für mich nur selten Freizeit. Natürlich ist das große Ziel, dass sich das bald ändert.

Wie darf man sich den Alltag eines Unternehmensgründers vorstellen?

Viel Arbeit, wenig Leben. Ich stehe um 6 Uhr auf, das zieht sich auch am Wochenende so durch. 15 Stunden am Tag ist die Regel, nicht die Ausnahme. Wenn es mir gesagt wird, dann esse ich auch regelmäßig (lacht laut).

Was waren die größten Herausforderungen?

Förderungen zu bekommen, ich habe alles selbst eingereicht. Das waren endlose bürokratische Wege.
Ich habe den Prototypen ohne Know How bzw. spezifisches Wissen selbständig gebaut. Das war sehr herausfordernd. Die Bürokratie nach der Fertigstellung hat mich fast zum Verzweifeln gebracht. Die Baugenehmigung für ein neues Produkt zu erhalten, war nicht einfach.

Wurdest du auch mit negativen Reaktionen konfrontiert, oder war die Resonanz durchwegs positiv?

Natürlich gibt’s auch Negatives. Eigentlich andauernd. Damit muss man umgehen können, sonst braucht man sich nicht selbständig machen. Auch im Bekannten- und Freundeskreis haben viele gezweifelt. Du bist kein Unternehmer, wie willst du das schaffen?

Ich habe mir immer ein Zitat von Johann Wolfgang von Goethe ins Gedächtnis gerufen: „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“ Bei mir war es halt Holz.

Hast du Tipps für Menschen, die selbst gerne gründen möchten?

Vorbereitung ist alles. Nur nicht blauäugig rein rennen, wirklich gut planen. Durchhaltevermögen ist ganz wichtig, nur nicht aufgeben. Wie gesagt, hat man ein gutes Konzept, spricht nichts dagegen.

Für mich war die Unterstützung aus der Familie das A und O. Ohne diese Unterstützung wäre das für mich nicht schaffbar gewesen. An alle die keinen stabilen, familiären Background haben – wenn ihr das „Zeug“ dazu mitbringt, lasst euch nicht abhalten.

Lassen wir die Bescheidenheit weg, wenn du groß träumst, wie sieht die Zukunft von Microloft aus?

Marktführerschaft natürlich.
Ich hätte gerne ein idyllisches Waldgrundstück in den Bergen in der Firma. Für mich, um ein Erdhaus und Baumhaus zu bauen. In vollkommener Autarkie, im Einklang mit der Natur. Ich würde daran gerne Kunden und alle die auf so etwas stehen, teilhaben lassen.

Eine andere Vision ist das fliegende Microloft, das wär mein Traum.
Man mag mich etwas verrückt nennen, aber eine Kuppel über einem Loft, mit eigenem Sauerstoff und Mikroklima, das wär auch was.
Es war nie meine Motivation durch die Selbständigkeit reich zu werden, dass ist es auch heute nicht. Ich weiß Lebensglück, Nachhaltigkeit und Altruismus sind keine gewöhnlichen Voraussetzungen für eine Unternehmensgründung. Dazu kenn ich einen Spruch: „Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat’s gemacht.“

Beschreibe deine Person bitte mit Eigenschaftswörtern:

  • Liebevoll und familiär
  • Ökologisch und Nachhaltig
  • Kreativ
  • Freiheitsliebend
  • Risikofreudig
  • Innovativ

Author: Maria Prugger

Das Schreiben für unternehmerweb.at ist für mich aus mehreren Gründen perfekt. Ich habe die Möglichkeit neben dem Erstellen meiner Masterarbeit zu schreiben, es ermöglicht mir meine Flexibilität beizubehalten und mich mit immer neuen Themen auseinander zu setzen. Ich hoffe, dass ich meine Leidenschaft für Nachhaltigkeit und IKT an andere weitergeben kann.

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