Maschinen/Steuer/Stürmer – Mit einer visionslosen Wirtschaftspolitik in den Abgrund

Maschienensteuer-Illu

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Unser Bundeskanzler Kern ist ganz entfesselt, wenn es um die Wertschöpfungsabgabe geht. Im Gegensatz zum gefesselten Koalitionspartner ÖVP, der, wie schon 40 Jahre lang, seinen Beiß- und Wutreflex dagegen nicht zügeln kann oder will. Nach dem Kern/Mitterlehner-New-Deal also der linkslinke Rückgriff in die sozialistische Mottenkiste???

NEIN, denn wir brauchen genau jetzt die vernünftige und ergebnisoffene Diskussion über die Zukunft von Arbeit und der Finanzierung des Sozialsystems!

Die (Mehrheits-)Gesellschaft der weltweit zu gering Qualifizierten

Es gelingt schon heute nicht mehr geringqualifizierte Menschen im Arbeitsmarkt unterzubringen. Bald wird es auch die (etwas) besser qualifizierten Arbeitnehmer und Berufsgruppen treffen. Nach einer Studie der Oxford-Ökonomen Carl Benedict Osborne und Michael A. Osborne von 2013 werden fast 50 Prozent aller Jobs in Zukunft überflüssig werden. Das Update der Oxford Studie von 2016 besagt, dass davon nicht nur die 1. Welt betroffen sein wird, sondern in noch viel höherem Ausmaß die Schwellen- und Entwicklungsländer. So werden in China durch die Industrie 4.0 langfristig 77% aller Industriejobs wegfallen, in Thailand werden es 72% sein und in den USA 47%. Diese Entwicklung birgt also eine unglaubliche und weltumspannende soziale und gesellschaftspolitische Sprengkraft, da ist die derzeitige Migrationswelle aus den Kriegsgebieten nur ein kleiner Vorgeschmack.

Die Zukunft der Arbeit gehört den Robotern – Punkt

Arbeit wird im Zeitalter der herannahenden Industrie 4.0 für die Mehrheit ein ganz rares Gut werden. Redet man mit Vertretern der Roboterindustrie, dann wird schnell klar, wie zum Beispiel die Vorgaben der Konzernzentralen der deutschen Industriegiganten lauten. Roboter – so viele, so schnell und so leistungsfähig wie möglich.

Die Entwicklung wird damit ihren Lauf nehmen. Eines dürfen wir nicht unterschätzen: Diese Maschinen können heute auf Grundlage von künstlicher Intelligenz (das impliziert ganz klar auch die autonome Lernfähigkeit!) schon Dinge, die bis vor wenigen Jahren noch undenkbar waren. Am Augenfälligsten für die Öffentlichkeit werden diese Entwicklungen bei den selbstfahrenden Autos. Ein anderes Beispiel sind die Tests von Zustellrobotern der schweizerischen Post. Das ist also erst der Anfang und nicht das Ende!

Wie lange wird es meinen Beruf noch geben?

Es wird also Zeit, dass wir uns um das Thema Zukunft der Arbeit wirklich Gedanken machen, denn in den nächsten 10 bis 20 Jahren werden viele Millionen Jobs weltweit wegfallen. Für Deutschland bedeutet das nach einer aktuellen Untersuchung Ing-DiBa-Bank, dass von 30 Millionen Arbeitsplätzen über 12 Millionen wegfallen werden. Auf Österreich ungelegt sind das dann mehr als 1 Million, die nicht mehr da sein werden.

An dieser Stelle kann ich Hannes Androsch (Interview siehe hier) übrigens nicht Recht geben, wenn er Vergleiche mit dem Merkantilismus und der industriellen Revolution anstellt. Die Ausgangssituation mit einer Weltbevölkerung von 7 Milliarden ist eine andere. Und die Fortschritte bei der künstlichen Intelligenz fordern den weniger qualifizierten Teil der Menschheit massiv heraus.

Sind wir nun rasend schnell auf dem Weg in die Abstiegsgesellschaft? Wenn Arbeitseinkommen die Hauptsteuerlast in den Industrieländern tragen, dann kann die Antwort nur lauten: Ja wir betreten gerade den Turbolift nach unten.

Was bedeutet das für uns UnternehmerInnen?

Ich glaube, die Frage werden wir kaum aus dieser Perspektive beantworten können. Wenn in Österreich, ähnlich wie in Deutschland langfristig, innerhalb von 20 Jahren rund 35-40% aller Arbeitsplätze wegfallen, dann hat das massivste Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft unseres Landes. (Auf dieses Thema werde ich in den nächsten Beiträgen zum Thema eingehen.)

SPÖ versus ÖVP

Ob die Wertschöpfungsabgabe da der Weisheit letzter Schluss ist, das wage ich aus heutiger Sicht zu bezweifeln. Denn eines ist klar, der jetzige Vorschlag des Kanzlers kann nur von absoluten Insidern verstanden werden und ist mehr als Nebelgranate und Testballon gegenüber dem Koalitionspartner ÖVP als ein wirklich ausgereiftes Konzept zu sehen.

Sinnvolle Spielwiese für die FPÖ

Was unsere Oppositionsparteien betrifft, da sollten zukunftsweisende Konzepte im Umgang mit einer globalen Entwicklung auf den Tisch. Das wäre zum Beispiel eine Möglichkeit für die FPÖ sich endlich einmal ernsthaft in die wirtschaftspolitische Diskussion einzubringen. Vor allem in Bezug auf den „kleinen“ Mann, den sie vertreten will. Nebulös angekündigte Treffen in „Die Presse“ mit Unternehmensführern werden dazu nicht reichen. Zukunftsträchtige Idee und tragfähige Konzepte sind gefragt – nur Schimpfen wird dieses Problem nicht lösen.

Bedingungsloses Grundeinkommen als Lösungsansatz?

Auch die Grünen, die noch immer zwischen ländlich-konservativen und linksorientierten Stadtwählern hin und her manövrieren und lavieren, könnten die Diskussion mit visionären Ideen wie dem bedingungslosen Grundeinkommen befruchten. Dazu braucht es aber mehr als 5 bis 7 Bullet-Points von marxistisch geprägten Grundideen.

Der Elfmeter für die NEOS?

Für die NEOS ist dieses Thema das eigentliche Heimspiel. Als wirtschaftsliberale Partei muss es doch im natürlichen Interesse liegen, die Konsumenten der Zukunft auch noch zum Konsum zu befähigen und nicht nur zu Mindestsicherungsempfängern. Vorschläge für eine besser Bildungspolitik allein und das Aufdecken von Skandalen wird auf die Dauer auch nicht helfen. Auch ihre Perspektive zum bedingungslosen Grundeinkommen wäre spannend, da von dieser Seite her durchaus seriöse Studien und Vorschläge zu erwarten sind.

Wie sind Sie als Unternehmerin oder Unternehmer betroffen?

Wie sehen Sie als UnternehmerInnen diese Entwicklung? Haben Sie sich damit schon auseinander gesetzt? Ist Ihr Unternehmen darauf vorbereitet? Spüren Sie schon den aufkommenden Sturm als Zulieferer oder Berater der Industrie?

Schreiben Sie uns dazu – als Kommentar, als Gastbeitrag oder als Beispiel aus ihrer täglichen Praxis.

 

 

Quellen:

http://www.oxfordmartin.ox.ac.uk/downloads/academic/The_Future_of_Employment.pdf

http://www.oxfordmartin.ox.ac.uk/downloads/reports/Citi_GPS_Technology_Work_2.pdf

http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/5073134/Hannes-Androsch_Wer-nicht-saet-der-wird-verhungern

http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/5068285/Strache-macht-sich-salonfaehig?from=suche.intern.portal

Author: Thomas Nasswetter

Thomas Nasswetter ist ein Unternehmer im eigentlichen Sinne des Wortes. Er hat bisher vier Unternehmen gegründet bzw. mitgegründet. Er wollte schon als Kind vieles unternehmen – dabei ist es bis heute geblieben. Er ist Gründer, Kreativer Kopf und Stratege von Corporate Interaction, einem Unternehmen, dass sich der erfolgreichen Interaktion von Unternehmen verschrieben hat. Spezialist für Online Kommunikation mit den Schwerpunkten Content Marketing, Brand Community Building und Creating New Mass Media. Thomas Nasswetter, Jahrgang 1965, stammt aus Lustenau in Vorarlberg, lebt und arbeitet in Wien.

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