Lehre im Fokus: … ein Zuckerbäckergeselle und Lehrling im Druckereigewerbe plaudert aus der Schule

© visual: www.corporate-interaction.com Wir bringen ab sofort das Thema Lehrlinge in Österreich auf die Bühne

© visual: www.corporate-interaction.com
Wir bringen ab sofort das Thema Lehrlinge in Österreich auf die Bühne

Simon Vetter, 21 Jahre alt, lebt in Lustenau, Vorarlberg und ist gerade dabei seine zweite Lehre abzuschließen. Nach der Gesellenprüfung als Zuckerbäcker beschloss er noch eine zweite Lehre als Drucktechniker zu machen. Er ist derzeit bei der Firma Bayer Kartonagen  in Lustenau als Lehrling beschäftigt.
Er wird im folgenden Interview über seine Lehrzeit und seine Erfahrungen damit berichten.

Bitte erzähle uns, welche Ausbildung du bisher gemacht hast.

Die erste Lehre war die des Zuckerbäckers, die ich vor 4 Jahren abschloss.
Da ich immer schon gerne gebacken habe sah ich den Beruf als Zuckerbäcker als meinen Traumberuf an. Ich war zwar zunächst kurz in der Handelsschule, dort hat es mir aber überhaupt nicht gefallen. Ich bin doch mehr der handwerkliche Typ und so entschloss ich gleich nach zwei Monaten wieder mit der Schule aufzuhören. Ich war danach in verschiedenen Betrieben für jeweils 2 Tage schnuppern. Die Konditorei, in der ich dann als Lehrling begann, lud mich im Vorfeld mehrmals ein mitzuarbeiten, um die Möglichkeit zu haben herauszufinden, was auf mich zukommen würde und ob ich mir das vorstellen könne. In diesem Beruf muss man nämlich viel am Wochenende arbeiten. Es war auch wichtig herauszufinden, ob ich in das bestehende Team passen würde, und ob ich den Stress aushalten könnte. Dieser Beruf hat nichts mit den Werbebildern zu tun, die man zu sehen bekommt – das ist ein wirklich anstrengender Beruf.

 

Wie erlebtest du deine Lehrzeit in der Konditorei?

Ich hatte in der Konditorei, in der ich lernte, einen sehr strengen Lehrherren – das war für mich nicht so leicht zu ertragen. Er kontrollierte mich ständig, ich musste ihn mit Sie ansprechen und es war alles sehr konservativ. Ich war damals 15 und er kurz vor der Rente. Dieses nicht so angenehme Arbeitsklima war ein Grund, warum ich eine zweite Lehre begann. Ein anderer Grund war, dass ich keine Lust mehr hatte, an so vielen Wochenenden zu arbeiten.

 

Wie hat dir die Berufsschule gefallen?

Die Berufsschule in Feldkirch war super – es herrschte ein sehr gutes Klima, wir hatten eine gute Klassengemeinschaft. Ich fuhr einmal pro Woche da hin. Ich muss wirklich sagen, dass das Lehrmaterial und die Lehrer sehr gut waren.

 

Du bist gerade dabei deine zweite Lehre als Drucktechniker abzuschließen. Wie geht es dir dabei?

Ich komme mit allen sehr gut zurecht. Der Chef und der Abteilungsleiter sind gemütlich. Ich habe viele Freiheiten in diesem Betrieb. Ich kann mir die Arbeit einteilen, wie ich will – also mit einem Zweiten, der Geselle ist, bilden wir ein Team. Wir stimmen uns immer ab. Also von Anbeginn der Lehrzeit bildet man ein Team und in dem bleibt man für gewöhnlich während der gesamten Lehrzeit. Der Betrieb hat derzeit einen Druckerlehrling und der bin ich. Druckerlehrlinge nimmt dieser Betrieb immer nur einen auf, dagegen gibt es aktuell sechs Verpackungstechnik-Lehrlinge.
Wir bekamen gerade in der Berufsschule eine neue Druckmaschine. Das ist sehr cool, weil wir damit am Laufenden bleiben. Die Technik entwickelt sich hier extrem schnell weiter. Die Lehrer sind auch super – der eine hat selber eine Firma und daher ist er sehr praxisnah.

 

Wie war für dich damals in der Schule die Entscheidungsfindung, welchen weiteren schulischen oder beruflichen Schritte du setzen sollst.

Wir hatten Auswahltests und Informationsveranstaltungen. Einerseits wollte ich unbedingt Konditor werden, wusste allerdings nicht so recht ob ich nicht davor noch eine Schule machen sollte. Und hatte dann eben, wie schon gesagt, ein sehr kurzes Gastspiel in der Handelsschule.

 

Was wirst du nach deiner Gesellenprüfung machen?

Nach der Gesellenprüfung werde ich mit der Abendmatura beginnen. Da gibt es die Schichtmatura. Da ich Früh- und Abendschichten habe kommt mir das sehr gelegen. Die Angebote der Kurse nehmen auf Schichtdienste Rücksicht. Der Kostenpunkt liegt bei etwa €  900,- pro Fach. Ich möchte die Matura in drei Jahren fertighaben. Daneben werde ich in dem Betrieb, in dem ich jetzt bin, Vollzeit arbeiten. Ich könnte mir auch diese Weiterbildung vom Betrieb zahlen lassen, aber dann wäre ich abhängig und müsste mich auf einige Zeit binden und das will ich nicht.

 

Warum hast du nicht während der Lehre die Berufsmatura begonnen?

Zusätzlich zum Lernstoff der Berufsschule wäre mir der Besuch der Maturaschule zu viel gewesen.

 

Was willst du nach dem Abschluss der Matura machen und wie siehst du deine weitere Zukunft?

Auf der einen Seite ist es gut, dass ich zwei Standbeine habe, aber es nervt auch, dass ich keine Matura habe. Auf jeden Fall möchte ich mit Vierzig nicht mehr an der Maschine stehen. Ich würde mich am Liebsten im Management wiederfinden.

 

Könntest du dir auch vorstellen die Meisterprüfung zu machen oder dich als Werkmeister zu qualifizieren?

Die Option Werksmeister zu machen ist keine für mich, da würde ich eben weiter an der Maschine stehen, was ich ja nicht unbedingt will. Und selbständig machen muss ich mich auch nicht unbedingt.

 

Weitere Artikel zur Serie Lehre im Fokus:

Interview mit einer Buchhändlerin: Lehre im Fokus – Mehr Engagement wäre gefordert! »

Ein erster Überblick: Lehre im Fokus – Ein erster Überblick »

Author: Maria Nasswetter

Maria Nasswetter ist Soziologin und auf soziale Interaktion, Communities, Bildkommunikation und -strategien spezialisiert. Communities und soziale Interaktion sind Schwerpunktthemen, mit denen sie sich theoretisch und praktisch beschäftigt. Daher ist auch das Unternehmerweb, verstanden als Synergie zwischen On- und Offlineaktivität, ein Ort an dem sie ihre Expertisen einbringt. www.corporate-interaction.com

Share This Post On

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.