Krempeln gegen die Krise

Warum Männer ihre Hosenbeine hochkrempeln

© visual: www.corporate-interaction.com

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Der Sommer ist definitiv vorüber und auch auf den derweilen noch goldigen Herbst wird bald ein kalter und grauer Winter folgen, angeblich ein extra kalter. So ist die Zeit, in welcher wir momentan leben, nicht nur wettertechnisch kaum zu ertragen, denn zur unangenehmen Banken – und Eurokrise gesellt sich bald eine für viele Menschen miserable Winterdepression hinzu, die für eingefrorene Finger und lange Business-Termin- Verspätungen verantwortlich sein wird.

Wirft man nun einen Blick auf die modischen Auswirkungen, die unsichere Zeiten wie diese mit sich bringen, ist es doch kaum verwunderlich, dass die Männerwelt nicht nur die sprichwörtlichen Ärmel, sondern auch die Hosenbeine aufkrempelt – wahrscheinlich um sich besser vom ansteigenden Krisenwasser zu schützen, wer weiß. Ob nun die Länge einer Hose als Symbolbild für wirtschaftliche Situationen gilt, sei dahin gestellt.

 

Krempelkunde

Übertriebene Interpretationen meinerseits hin oder her – entscheidend ist beim neuen Krempeltrend, dass Krempeln nicht gleich Krempeln bedeutet. Denn der Hochwasserlook wird sehr gerne übertrieben und ist dann optisch wirklich nur noch bei einer Flussüberquerung oder im Falle eines überfluteten Kellers vertretbar. Gerade die etwas kleineren Kollegen unter uns bedienen sich schon lange intensiver Krempeltechniken, ist es doch mühsam bei jedem Hosenkauf die Länge entsprechend kürzen zu lassen. Da kommt der Modetrend gerade recht und die neu erworbene, überlange Jeans kann völlig urteilsfrei an der Jeansabschlussnaht ums Zweifache nach oben gefaltet werden. Wem dies nicht gefällt, der schlägt das Bein-Ende einmal, aber dafür um bis zu drei Zentimetern nach oben, wobei es definitiv nicht mehr als drei Zentimetern sein sollten, da der Einmal-Krempel-Look sonst schnell als aufmüpfig verstanden werden könnte. Und noch etwas: Krempeln ist und bleibt casual, was bedeutet, dass Anzugshosen vom Trend ausgeschlossen werden. Ansonsten tragen Sie zur gekrempelten Hose gerne farbige Socken und herausgeputzte Schuhe – Krempeln Sie hierbei so, dass man die Farbe der Socken nur beim Gehen oder während des Sitzens erkennen kann. Gewagtere „Aufkrempelungsversuche“ bleiben der Studentenliga und dem vom Aussterben gefährdeten Hippstertum vorbehalten.

 

Wer krempelt wie?

Ob man nun breit oder schmal krempelt, ist sicherlich eine Frage der Statur. Um also nicht dem Sinnbild eines übergroßen Mode-Babys zu entsprechen, sollte man sich vor dem Krempelakt genau überlegen, wie weit man hier gehen möchte, denn wer möchte beim Gegenüber schon unfreiwillige Kindheitsassoziationen wecken.

Doch allem Anschein nach macht sich der moderne Mann von heute diesbezüglich weniger Gedanken, laufen modische Männer doch fast überall – ob Universität, Waldspaziergang oder Büro – mit aufgekrempelten Hosen beinen herum, als wäre Mark Twains Huckleberry Finn zum neuen George Clooney in Sachen Style geworden, floh dieser laut Erzählung zusammen mit Bandenkollege Tom Sawyer aus den Fängen des Vaters, der er nicht gut mit dem jungen Huckleberry meinte – trendgerecht mit aufgekrempelter Latzhose, versteht sich. Dass die beiden hierbei meist auf Flößen und am Ufer des Missisippi unterwegs waren spielt hierbei für eingefahrene Krempelfans sicherlich eine eher unwichtige Rolle.

 

Was bleibt am Ende?

Ob man der hochgekrempelten Hose von nun an nur noch bei Spaziergängen am Nordseestrand oder auf dem Erkundungspfad beim Orthopäden Tribut zollen möchte, muss jeder Mann selbst entscheiden. Am Ende bleibt nur zu hoffen, dass der kalte Winter bald ein warmes Ende findet, die Krisen der Gegenwart mehr oder weniger spurlos an uns vorbei ziehen mögen und Männer wieder beginnen können, sich keine Sorgen mehr um die Länge des Hosenbeins machen zu müssen – so, als hätten sie sich über die Höhe zukünftiger Krisenwasser nie Gedanken machen müssen.

 

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Author: Martin Ehmele

Mein Name ist Martin Ehmele, aufgewachsen in Ravensburg, Süddeutschland und mittlerweile glücklicher Wahlwiener. Neben meinem Studium der Soziologie war ich als Redakteur für die unterschiedlichsten Magazine und Online-Medien der deutschsprachigen Modeszene tätig.

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