Gemeinwohlökonomie Teil 6 – ethisches Finanzmanagement – Hintergründe, Ziele

© 3D-Rendering: www.corporate-interaction.com

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Im letzten Artikel haben wir uns die Hintergründe zum Indikator „ethischen Finanz-management“ (= B1) angesehen. Hier zeigen wir auf, wie gelebtes „ethischen Finanz-management“ in der Praxis aussieht, bzw. aussehen kann.

Ausgangssituationen für Veränderungen im Finanzmanagement

Für einige der UnternehmerInnen, die bereits eine Gemeinwohlbilanz erstellt haben, entstand aus verschiedenen Situationen heraus der Wunsch zur Unabhängigkeit von herkömmlichen Banken. Da waren oft etwas kurzfristig fällig gestellte Kredite oder auch Konditionsänderungen, die zu schwierigen Situationen geführt haben. Wie so oft, machte auch hier die Not erfinderisch und die Suche nach neuen, anderen Finanzierungsmöglichkeiten führte ua zu selbstgesteuerten Crowdfinancing-Modellen und zur Gründung einer ersten ethischen Alternativbank in Österreich, der Bank für Gemeinwohl (= noch in der Gründungs-/Entstehungsphase).

Kreditfinanzierung über Banken

Nachdem die Bank für Gemeinwohl noch nicht „eröffnet“ ist (voraussichtlich Anfang 2017), „muss“ in vielen Fällen noch auf herkömmliche Banken zurückgegriffen werden. Aber, die gute Nachricht dazu: Es gibt sehr viele, eigenständige Regionsbanken – egal ob aus dem Raiffeisenreich, der Sparkassenwelt oder anderer Banksysteme – die achtsam mit der Veranlagung umgehen und gemeinwohlorientiert agieren. Einige davon haben sogar schon eine Gemeinwohlbilanz erstellt – bspw. die Raika Lech oder die Sparkasse Dornbirn.
Dh, solche Banken sind gute Alternativen zu herkömmlichen, konzernverstrickte Banken, die wenig Einfluss auf das Finanzmanagement Ihres Konzerns haben.

Banken und Versicherungsdienstleister hinterfragen

Um sowohl für sich selbst als schlussendlich auch für die Gesellschaft insgesamt einen Veränderungsprozess zu starten, sollten die jeweiligen persönlichen BankberaterInnen einfach und offen auf die Finanzgebarung des eigenen Hauses angesprochen werden:
–    Wie/wo wird das Geld der Bank veranlagt?
–    Gibt es reine ethische Fonds? Welche Unternehmen/Bereiche sind da genau enthalten?
–    In wie fern wird dabei auch auf die Stärkung der regionalen Wirtschaft und Wertschöpfung wert gelegt?
–    ….

Werte statt Geld

Darüber hinaus gibt es mehr und mehr funktionierende Projekte, bei denen kein Geldwert einge-, sondern Gegenleistungen erbracht werden. Wichtig dabei und dem Trend unserer aktuellen „FinanzexpertInnen“ entgegen gesetzt: Es werden dabei keine Zinsen oder Aufschläge angerechnet, sondern „zinslos“ Leistung erbracht und gegengeleistet.
Damit reduziert sich das Geschäftsleben wieder auf die reine Leistungsmöglichkeit und
–kraft, unabhängig von Fremdkapitalaufbringung bei Banken. Das Erstaunliche dabei ist, dass sich die UnternehmerInnen durch das gegenseitig signalisierte Vertrauen bzw. die Wertschätzung gestärkt fühlen und wesentlich stressfreier und ungezwungener Projekte angehen und umsetzen können.

… im nächsten Artikeln beschreiben wir alle Indikatoren, die mit der Berührungsgruppe MitarbeiterInnen und EigentümerInnen zusammenhängen.

Gemeinwohlökonomie Teil 5 – ethisches Finanzmanagement – Hintergründe, Ziele

Gemeinwohlökonomie Teil 4: ethisches Beschaffungsmanagement – Gelebte Beispiele

Gemeinwohlökonomie Teil 3: ethisches Beschaffungsmanagement – Hintergründe und Ziele

Gemeinwohlökonomie Teil 2: Mit der Gemeinwohlmatrix zur Gemeinwohlbilanz

Gemeinwohlökonomie Teil 1: Ein nachhaltiges Wirtschaftsmodell der Zukunft“

Author: Sabine Lehner

Im März 1968 in Salzburg geboren, ist Gründerin und Geschäftsführerin der MARKENwerkstatt Salzburg. Seit 1996 ist sie im deutschsprachigen In- und Ausland als selbstständige Unternehmerin beratend, konzipierend und gestaltend tätig. Die Schwerpunkte ihrer Tätigkeit liegen in der Entwicklung von Marken für Unternehmen und Netzwerke sowie der Ausarbeitung von darauf aufbauenden Marketingkonzepten.

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