Gemeinwohlökonomie Teil 9 – Produkte/Leistungen, KundInnen, MitbewerberInnen – Hintergründe, Ziele

© 3D Rendering: www.corporate-interaction.com

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Im letzten Artikel haben wir uns Umsetzungsbeispiele zur Berührungsgruppe MitarbeiterInnen, einschließlich der UnternehmerInnen selbst (C1 – C5), angesehen. In diesem Artikel nehmen wir uns die Indikatoren zur Berührungsgruppe Produkte/Dienstleistungen, KundInnen und der MitbewerberInnen (D1 – D5), vor.

Ziele der Indikatoren D1 – D5

Die Ziele dieser IndikatorInnen sind mehrschichtig. Einerseits geht es darum, die Sinnhaftigkeit der angebotenen Produkte und Dienstleistungen zu hinterfragen und für eine verantwortungsbewusstere Produktion zu sorgen. Andererseits soll der faire Umgang mit KundInnen und MitbewerberInnen gefördert werden sowie das Ausmaß an deren Mitbestimmung bei der Ausgestaltung der Angebote.
Die GWÖ macht durch die Gemeinwohlbilanz transparent, wie sich UnternehmerInnen in diesem Bereich verhalten und welche Maßnahmen institutionalisiert betrieben werden.

Einige der entscheidenden Fragen, die man sich hier zu stellen hat sind:

Wie sinnvoll sind die Produkte/Dienstleistungen, die ich anbiete? Erhöhen sie die Lebensqualität der Menschen? Tragen Sie in irgendeiner Form zu Verbesserung der Gesellschaft bei?
Wie und wo produziere ich meine Produkte? Achte ich auf die Schonung der Umwelt? Wird im eigenen Land produziert und damit die Wertschöpfung im Inland gefördert?
Achte ich bei der Gestaltung meiner Produkte/Dienstleistungen auf die Bedürfnisse meiner KundInnen – auch im Bezug auf Größen/Mengen-Einheiten und Dauerhaftigkeit/Langlebigkeit?
Wie transparent sind wir sowohl in der Preisgestaltung als auch in der Information zu Inhaltsstoffen, Materialbeschaffenheit, Produktion, etc.?
Wie sieht unser Verhalten/ sehen unsere Beziehungen zu unseren MitbewerberInnen aus? Gibt es einen offenen, transparenten Austausch und kooperative Aktionen?

Frage zur Sinnhaftigkeit von Produkten und Angebote

Die Frage, was wir tatsächlich brauchen und was im Gegenzug dazu tagtäglich produziert/angeboten wird, ist eine sehr tiefgreifende. Natürlich muss es nicht nur Produkte geben, die rein unsere Grundbedürfnisse befriedigen, es soll auch Genuss und etwas für unser Seelenheil geben können. Dennoch muss die Sinnhaftigkeit hinterfragt und dort, wo Produkte deutlich negative Auswirkungen auf Menschen und Umwelt haben, Einhalt geboten werden.
Beispielsweise kann stark hinterfragt werden, wie sinnvoll Rüstungsware oder Glückspielautomaten sind. In beiden Fällen gibt es zahllose „Opfer“, die nach dem Einsatz dieser Produkte körperlich oder finanziell schwer geschädigt sind. Durch die Gemeinwohlbilanzierung sollen Unternehmen gefördert und sichtbar gemacht werden, die im Gegensatz dazu, gute, sinnvolle Produkte/Dienstleistungen anbieten. KundInnen soll es durch die Transparentmachung der Ziele und Herkunft der Produkte einfach gemacht werden, die richtige Wahl treffen/sinnvolle, regionale, gemeinwohlsinnige Produkte kaufen zu können.

Steuerliche Begünstigung sinnvoller Angebote

Was auch verhindert werden soll ist, den eigenen wirtschaftlichen Erfolg auf Kosten der Mitbewerber oder der Umwelt zu erzielen. Gemeinwohl-Betriebe sind erfolgreich, unter Bedachtnahme auf die betriebliche und gesellschaftliche Umwelt. Das mag das eine oder andere Produkt vordergründig teurer machen, auf lange Sicht ist es aber für die Volkswirtschaft insgesamt günstiger und zukunftsichernder. KundInnen haben dafür Verständnis, wenn sie die Unterschiede erkennen und darüber offen informiert sind.

Resumee:

KundInnen sollen die Möglichkeit haben, zu erkennen, auf welche Art und Weise Produkte/Dienstleistungen entstehen und, welche Auswirkungen ihr Einsatz hat. Gleichzeitig sollen Unternehmen, die sinnvoll und verantwortungsbewusst agieren, entsprechend gefördert werden. Langfristiges Ziel ist es, hier auch auf steuerlicher Ebene Begünstigungen durchzusetzen.

… im nächsten Artikeln beschreiben wir Best Practices zu diesen Indikatoren!

 

Weitere Artikel zum Thema:

Gemeinwohlökonomie Teil 7 – MitarbeiterInnen und UnternehmerInnen – Hintergründe, Ziele

Gemeinwohlökonomie Teil 6 – ethisches Finanzmanagement – Hintergründe, Ziele

Gemeinwohlökonomie Teil 5 – ethisches Finanzmanagement – Hintergründe, Ziele

Gemeinwohlökonomie Teil 4: ethisches Beschaffungsmanagement – Gelebte Beispiele

Gemeinwohlökonomie Teil 3: ethisches Beschaffungsmanagement – Hintergründe und Ziele

Gemeinwohlökonomie Teil 2: Mit der Gemeinwohlmatrix zur Gemeinwohlbilanz

Gemeinwohlökonomie Teil 1: Ein nachhaltiges Wirtschaftsmodell der Zukunft“

Author: Sabine Lehner

Im März 1968 in Salzburg geboren, ist Gründerin und Geschäftsführerin der MARKENwerkstatt Salzburg. Seit 1996 ist sie im deutschsprachigen In- und Ausland als selbstständige Unternehmerin beratend, konzipierend und gestaltend tätig. Die Schwerpunkte ihrer Tätigkeit liegen in der Entwicklung von Marken für Unternehmen und Netzwerke sowie der Ausarbeitung von darauf aufbauenden Marketingkonzepten.

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