EPU und Armut 1: Was ist Armut?

2016_04ArmutJeder, der an Armut denkt, hat ein bestimmtes Bild im Kopf. Eine junge Frau in Kenia, die gemeinsam mit ihren zwei Söhnen von weniger als 1 US-$ am Tag überleben muss. Oder der Typ, der zwei Straßen entfernt wohnt, der zuerst Job und dann Frau verloren hat und nun regelmäßig zum AMS pendelt. Beide Szenarien zeigen Armut – aber in ganz verschiedenen Dimensionen.

Absolute Armut:

Der Begriff der absoluten Armut wurde von der Weltbank eingeführt und folgendermaßen definiert:

„Armut auf absolutem Niveau ist Leben am äußersten Rand der Existenz. Die absolut Armen sind Menschen, die unter schlimmen Entbehrungen und in einem Zustand von Verwahrlosung und Entwürdigung ums Überleben kämpfen, der unsere durch intellektuelle Phantasie und privilegierte Verhältnisse geprägte Vorstellungskraft übersteigt.“

Schon beim erstmaligen Lesen wird klar, dass diese Definition mit Armut in Österreich nichts zu tun hat. Sie bezieht sich auf Probleme in Entwicklungsländern. So gehören zu den Indikatoren der Messung von Armut die Geburtenrate, die Kindersterblichkeit und die Lebenserwartung.

Doch die häufigsten und bekanntesten Indikatoren sind monetäre. Laut Weltbank gelten Menschen als arm, die pro Tag weniger als 1,25 US-$ zur Verfügung haben. Das betrifft zurzeit rund 1,2 Milliarden Menschen. Das heißt, jeder sechste Mensch auf der Welt lebet von weniger als 1,25 US-$ am Tag.

Armut nach Amartya Sen:

Wie bereits gesagt: Würden wir in Österreich die absolute Armut messen, würden wir zu dem Ergebnis kommen, dass es Armut hierzulande überhaupt nicht gibt. Aber auch in einem reichen Land wie Österreich gibt es Armut – nur trägt es hier ein anderes Gesicht. Der Ökonom und Nobelpreisträger Amartya Sen sieht Menschen als arm, die nicht über genügend Ressourcen verfügen, um Teil der Gesellschaft zu sein, in der sie leben. „Menschen murren nicht nur wegen Hunger, sondern auch, weil sie nicht genug Wahlmöglichkeiten im Leben haben.“

Armut ist kein festgelegtes Merkmal, wie das Alter oder das Geschlecht. Armut ist variabel und hängt von der jeweiligen Gesellschaft, vom jeweiligen sozialen Umfeld ab. Um Armut in reichen Ländern messen zu können, braucht es das Konzept der relativen Armut.

Relative Armut:

Bei der Messung der relativen Armut wird in der Regel der Median des Einkommens als Maßzahl herangezogen. Der Median ist nicht das durchschnittliche Einkommen, sondern das mittlere Einkommen. Soll heißen: Von fünf Personen ist das Medianeinkommen das, was der mittlere dieser fünf verdient. Und wer weniger als 60% dieses Medianeinkommens verdient, gilt als armutsgefährdet.

Wer also in Österreich weniger als 1.161 Euro im Monat verdient, ist armutsgefährdet. Und das betrifft jede siebte Person im Lande; oder 14% der Bevölkerung; oder rund 1,2 Millionen Menschen. Aber das Einkommen ist nicht das einzige Merkmal, an dem sich Armut messen lässt. Ob, und wie stark Menschen die Möglichkeit haben an der Gesellschaft teilzunehmen, ist der andere Faktor.

Im nächsten Teil der Serie geht es speziell um die Situation in Österreich. Was bedeutet Armut in Österreich? Wie äußert sie sich? Wer ist hierzulande arm?

Quellen:

TABELLENBAND EU-SILC 2014 – Einkommen, Armut und Lebensbedingungen

http://www.armutskonferenz.at/files/till-tentschert_armut_oesterreich_statistisch-2012.pdf

https://reset.org/knowledge/konzept-und-messbarkeit-von-armut

Author: Benjamin Kloiber

Ich heiße Benjamin Kloiber und studiere Politik und Wirtschaft. Unternehmerweb ist eine Plattform, die Einzel- und Kleinunternehmer mit Infos bedient, vernetzt und auch mit ihnen interagiert. Anders ausgedrückt: Unternehmerweb ist schon lange nötig. Recherchieren, vernetzen und informieren sind Dinge, die mir liegen. Damit möchte ich Unternehmerweb unterstützen.

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1 Kommentar

  1. Nachwuch droht Gehalt auf Hartz-4-Niveau

    Ende der Wohlstands-Ära: Die Jungen werden ärmer als ihre Eltern

    http://www.stern.de/wirtschaft/geld/mckinsey-studie–die-jungen-werden-aermer-als-ihre-eltern-6971346.html

    oder auch ganz lecker: Verarmung als Megatrend – siehe auch: https://www.berlinjournal.biz/verarmung-kinder-aermer-als-eltern/

    Laut Politik müsse man sich „integrieren“ (nach Definition der Politik was das denn angeblich sei). Dazu braucht es in der heutigen Zeit üppige Geldmittel, die die meisten Leute, die angeblich „nicht integriert“ sind (auch sehr viele Deutsche).

    Auf einen Zusammenhang stieß die britische Soziologin Marii Peskow in der European Social Survey (ESS): Demnach sei die Bereitschaft zur Wohltätigkeit in egalitären Gesellschaften deutlich schwächer ausgeprägt, als in solchen mit großen Einkommensunterschieden. Die Erklärung dafür liege im sozialen Statusgewinn, den Wohlhabende in ungleichen Gesellschaften erfahren würden, wenn sie Schwächere unterstützten. In egalitären Gesellschaften herrsche hingegen das Bewusstsein vor, dass dank des Sozialstaats für die Schwachen schon gesorgt sei.

    Faulheit gilt in den westlichen Industrienationen als Todsünde. Wer nicht täglich flott und adrett zur Arbeit fährt, wer unbezahlte Überstunden verweigert, lieber nachdenkt als malocht oder es gar wagt, mitten in der Woche auch mal bis mittags nichtstuend herumzuliegen, läuft Gefahr, des Schmarotzertums und parasitären Lebens bezichtigt zu werden.

    Nein, stopp: Nur die armen Arbeitslosen fallen in die Schublade »Ballastexistenz«. Millionenerben, Banker- und Industriellenkinder dürfen durchaus lebenslang arbeitslos und faul sein. Sie dürfen andere kommandieren, während sie sich den Bauch auf ihrer Jacht sonnen.

    Früher glaubten viele Menschen an einen Gott. Wie viele heute noch glauben, da oben säße einer, der alles lenke, weiß ich nicht. Das ist auch egal. Gottes ersten Platz hat im modernen Industriezeitalter längst ein anderer eingenommen: Der »heilige Markt«. Der Finanzmarkt. Der Immobilienmarkt. Der Energiemarkt. Der Nahrungsmittelmarkt. Und der Arbeitsmarkt.

    Der Arbeitsmarkt ist, wie der Name schon sagt, zum Vermarkten von Arbeitskraft da. Wer kein Geld und keinen oder nur sehr wenig Besitz hat, verkauft sie. Die Eigentümer der Konzerne konsumieren sie, um daran zu verdienen. Das geht ganz einfach: Sie schöpfen den Mehrwert ab. Sprich: Der Arbeiter bekommt nur einen Teil seiner Arbeit bezahlt. Den Rest verrichtet er für den Gewinn des Unternehmers.

    Arbeit verkaufen, Arbeit konsumieren: So geschieht es seit Beginn der industriellen Revolution. Denn Sklaverei und Leibeigenschaft wurden ja, zumindest auf dem Papier, abgeschafft.

    Solange Furcht vor Strafe, Hoffnung auf Lohn oder der Wunsch dem Über-Ich zu gefallen, menschliches Verhalten bestimmen, ist das wirkliche Gewissen noch gar nicht zur Wort gekommen. (VIKTOR FRANKL)

    Die Todsünde der Intellektuellen ist nicht die Ausarbeitung von Ideen, wie fehlgeleitet sie auch sein mögen, sondern das Verlangen, diese Ideen anderen aufzuzwingen (Paul Johnson)

    Der Teufel hat Gewalt, sich zu verkleiden, in lockende Gestalt… (Shakespeare)

    Das Heimweh nach der Barbarei ist das letzte Wort einer jeden Zivilisation (Cioran)

    Alle Menschen sind klug – die einen vorher, die anderen nachher (Voltaire)

    Die Gefahr ist, dass die Demokratie zur Sicherung der Gerechtigkeit für diese selbst gehalten wird (Frankl)

    Absolute Macht vergiftet Despoten, Monarchen und Demokraten gleichermaßen (John Adams)

    Moral predigen ist leicht, Moral begründen schwer (Schopenhauer)

    Unser Entscheiden reicht weiter als unser Erkennen (Kant)

    Denn mancher hat, aus Furcht zu irren, sich verirrt (Lessing)

    Die Augen gingen ihm über, so oft er trank daraus… (Goethe)

    Immer noch haben die die Welt zur Hölle gemacht, die vorgeben, sie zum Paradies zu machen (Hölderlin)

    So viele Gefühle für die Menschheit, dass keines mehr bleibt für den Menschen (H. Kasper)

    „Die Dummheit von Regierungen sollte niemals unterschätzt werden“ (Helmut Schmidt)

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