Die Rolle von KMU und EPU in urbanen Regionen – Teil 2

„In welchem Ausmaß und wie sind KMU und EPU von den urbanen Strukturen, gleichzeitig auch von den Entwicklungen und den (urban-)politischen Rahmenbedingungen betroffen und welche Rolle spielen sie?“ Im ersten Teil wurde analysiert ob KMU bzw. EPU vornehmlich eine Erscheinung des urbanen Raums sind. Diesmal geht es um die Wechselbeziehung von urbanen Strukturen und ganz kleinen Unternehmen.

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Wechselbeziehungen zwischen urbanen Strukturen und KU bzw. EPU

Urbane Strukturen haben einen großen Einfluss auf eine Vielzahl von Unternehmen und deren Wertschöpfung. In welcher Hinsicht wirken sich diese Strukturen auf die KMU und EPU aus? Zuallererst müssen die Einflüsse auf die Unternehmen betrachtet werden, da diese für die Wechselbeziehungen zwischen urbanen Raum und KMU bzw. EPU ausschlaggebend sind und die Rolle der KMU und EPU im urbanen Raum im Allgemeinen bedingen. Eine gute Infrastruktur und hohe Lebensqualität d.h. soziale Sicherheit, hoher Bildungsgrad, etc. bilden wichtige Grundpfeiler für gesamtgesellschaftliches Zusammenleben, und haben auch eine spezielle Bedeutung für das unternehmerische Umfeld. Hierbei sind exogene Impulse, wie zum Beispiel kommunale Investitionen, essentiell. Auch aufgrund einer sich immer weiter ausdehnenden Stadtfläche ist es wichtig in die öffentliche Infrastruktur, in öffentliche Räume im Allgemeinen und in die Ausdehnung von Grünflächen zu investieren, um einem modernen Stadtbild gerecht zu werden.

Für das Verstehen der Rolle von KMU bzw. EPU im urbanen Raum sollte darüber hinaus ein Blick auf eine neue institutionstheoretische Sicht geworfen werden. Kujath (2006) verweist dabei auf drei Funktionen von Metropolregionen im Kontext der Transformation von einer Industrieökonomie zu einer Dienstleistungs- und Wissensökonomie. Zum einen können Skaleneffekte genutzt werden, d.h. primär Verbundvorteile. Kooperationen verschiedener Unternehmen können ihr Wissen bündeln, untereinander austauschen und somit die gemeinsamen Kompetenzen nutzen. Das fördert ein Entstehen von Netzwerken. Des Weiteren sind urbane Zentren meistens dadurch geprägt, dass sie Zentren des Humankapitals sind. Beispiele dafür sind das öffentliche Angebot an Universitäten, Fachhochschulen, Ausbildungsstätten für FacharbeiterInnen etc.. Aufgrund dessen lassen sich die Transaktionskosten des Wissensaustausches senken. Ein weiterer bedeutender Punkt der sich aus den vorherigen Punkten kanalisiert, ist das Entstehen von Synergie- und Spillover-Effekten (positive Externalitäten). Diese können nicht nur intra- sondern auch intersektorell auftreten.

Welche Bedeutung haben die oben genannten Punkte für die KMU und EPU? Frey (2009) argumentiert aus soziologischer Sicht, dass dieser Transitionsprozess zu Netzwerkstrukturen führt, welche staatsbezogene Governance ersetzt bzw. Steuerungsaufgaben an andere Institutionen von nicht staatlicher Form delegiert. Was Frey damit offensichtlich ausdrücken möchte, ist, dass es zu einer gewissen Selbststeuerungsfähigkeit der Unternehmen kommt, welche Innovationspotential bietet. Allerdings ohne die staatliche Governance komplett zurückzudrängen. Dieser ökonomische und soziale Transformationsprozess muss aber adäquat gesteuert werden, um eine positive Entwicklung des städtischen Raums zu kultivieren. Hierbei sind nicht nur die politischen Akteurinnen und Akteure gefragt, sondern auch die Unternehmen müssen ihrer Rolle in der Stadt gerecht werden.

Nachhaltigkeit für ein Funktionieren der Wechselbeziehungen

Unternehmen nehmen durch die erweiterte Selbststeuerungsfähigkeit immer größeren Einfluss auf die gesamtgesellschaftliche und urbane Entwicklung. Folglich gilt es für KMU und EPU im Hinblick auf ökologische und soziale Nachhaltigkeit Verantwortung zu übernehmen. Nicht nur weil sie per se verantwortungsfähig sind, sondern eben auch einen großen gesamtwirtschaftlichen Einfluss ausüben, ihn erweitern und somit eine nachhaltige urbane Entwicklung mittragen. Nachhaltiger Umgang von natürlichen Ressourcen, das Vermeiden von Umweltbelastungen, sozialverträgliche und faire Arbeitsbedingungen sind dabei Hauptpunkte die zu erfüllen sind. Nicht nur in Hinsicht auf gesellschaftliche Aspekte sondern auch hinsichtlich auf eine nachhaltige Unternehmensweiterführung.

Zum Schluss muss noch angeführt werden, dass gesamtgesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen nicht vom Standort abhängig ist, jedoch gilt es für die Unternehmen im urbanen Raum im Speziellen. Des Weiteren sind die Wechselbeziehungen in einer urbanen Gesamtwirtschaft im Detail für unterschiedliche KMU bzw. EPU von verschiedener Ausprägung. Der urbane Kontext für einen Friseurinnenbetrieb hat eine andere wechselseitige Bedeutung als für einen kleinen Handwerksbetrieb. Deshalb ist es schwierig eine allgemein gültige Aussage über verschiedene Wirkungskanäle zu äußern, vor allem da es mehrere theoretische Ansätze über urbane Entwicklung und wirtschaftliche und soziale Wechselbeziehungen existieren. Nennenswert sind unter anderem Beiträge von Paul Krugman zu New Economic Geography.

 

Teil 1:

Die Rolle von KMU und EPU in urbanen Regionen – Teil 1

 

Quellen:

BMWFW, 2014, „Mittelstandsbericht 2014“, Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, Wien November 2014

Brakman, S., Garretsen, H., and van Marrewijk, C., 2009, „The New Introduction to Geographical Economics“, Cambridge University Press, Cambridge

creativ wirtschaft austria, 2013, „Fünfter Österreichischer Kreativwirtschaftsbericht“, creativ wirtschaft austria, Wirtschaftskammer Österreich

Frey, O., 2009, „Die amalgame Stadt“, VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2009

Kujath, H. J., 2006, „Leistungsfähigkeit von Metropolregionen in der Wissensökonomie“, Leibnitz- Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung, Oktober 2006

Wirtschaftskammer Wien, 2015, “Zahlen und Fakten zur Wiener Wirtschaft“, Ausgabe 01/2015, abgerufen am 28.09.2015, https://www.wko.at/Content.Node/Interessenvertretung/Daten–Fakten- -Zahlen/w/Statistikbuch_2015_Web.pdf

 

Author: Christoph Strohmaier

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